Die Ballade vom Teamgeist und Wutheulern
Der erste Ligaspieltag führte uns nach Krefeld zum Golf & Country Club Elfrather Mühle. Die Stimmung war gut, Vorfreude, Saisonstart – alles fühlte sich richtig an. Auf dem Platz dann das Gegenteil: wenig gelang, Fehler reihten sich aneinander, das Selbstvertrauen bröckelte Schlag für Schlag. Nach der Runde dachte ich: „Schlimmer kann es eigentlich nicht werden.“
Aber dann kam Castrop-Rauxel.
Auf der Range lief es wie so oft: Bälle gut, Schwung stabil, die leise Hoffnung: Heute wird es besser. Kaum auf dem Platz, drehte sich das Gefühl. Unsicherheit statt Vertrauen, verkrampft statt frei. Am Ende stand da die 100 auf der Scorekarte. Eine Zahl, die sich in diesem Moment unglaublich schwer angefühlt hat. Für einen Moment hat mich Castrop-Rauxel gebrochen.
Ich gehöre zu den „Wutheulern“. Nach der Runde stand ich draußen auf der Terrasse, nach außen ruhig, innerlich komplett aufgewühlt. Eva hat gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Sie kam von hinten, legte mir die Hand auf die Schulter, drückte mich und sagte: „Lisa, komm, alles gut, ist doch nicht schlimm.“ In diesem Moment hätte ich am liebsten losgeheult. Ich habe es irgendwie geschluckt, aber meine Augen wurden trotzdem feucht.
Kurz darauf fragte Lucie, ob wir noch ein Schnitzel essen gehen. Als ich „nein“ sagte, war ihr direkt klar: Oh, da ist gerade mehr los als nur Ärger über ein paar schlechte Schläge. Kein Appetit, immer ein schlechtes Zeichen. Am nächsten Tag schrieb mir Inga per WhatsApp und fragte, wie es mir geht – ehrlich, zugewandt, aufbauend. Diese kleinen Gesten haben mich fast mehr berührt als jedes gute Ergebnis.
Es gibt natürlich Dinge im Leben, die viel schlimmer sind als eine 100 auf der Scorekarte. Aber genau diese Tage zeigen, was Golf mit einem machen kann. Der Sport gibt viel – Gemeinschaft, Freude, Erfolgserlebnisse. Er nimmt aber auch viel – Nerven, Energie, manchmal sogar Tränen. Und trotzdem ist es „nur“ ein Hobby. Die Emotionen dahinter sind trotzdem echt.
Wir sind oft unsere eigenen härtesten Kritikerinnen. Niemand von uns verdient sein Geld mit Golf, und trotzdem machen wir uns einen Druck, als ginge es um Profiverträge. Wir wollen dem Team helfen, unser Können zeigen, „abliefern“. Und wenn es dann nicht klappt, sind wir gnadenlos mit uns selbst.
Zwischen den ersten beiden Spieltagen schwanke ich innerlich irgendwo zwischen „Es ist doch nur ein Spiel“ und „Ich will es unbedingt besser machen“. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Golf: zwischen Gelassenheit und Ehrgeiz, zwischen Loslassen und dem inneren Antreiber, der flüstert: Das kannst du besser.
Trotz allem – ich liebe diesen Sport. Gerade weil er einen zwingt, auch mit sich selbst milder zu werden. Zu akzeptieren, dass eine schlechte Runde nicht definiert, wer man als Golferin oder als Mensch ist. Eine 100 ist eine Momentaufnahme, kein Urteil. Als Team stehen wir nach zwei Spieltagen auf einem geteilten dritten Platz mit vier Punkten. Das ist eine ordentliche Ausgangslage – und erzählt doch nur einen Teil der Geschichte. Der andere Teil spielt sich in unseren Köpfen ab: Erwartungen, Druck, Selbstgespräche, schlaflose Nächte, in denen man einzelne Schläge wieder und wieder durchgeht.
Was ich aus diesen ersten beiden Spieltagen mitnehme: Wir sind mehr als Zahlen auf einer Scorekarte. Wir sind ein Team, das sich auffängt, wenn es mental eng wird – mit einer Hand auf der Schulter, einer Einladung zum Schnitzel oder einer WhatsApp am nächsten Tag.
Und an dieser Stelle ein ehrliches "Sorry" an alle, die mich an diesem Tag ertragen mussten – es war echt ein Auf und Ab.
Und weiter geht’s:
In der Tabelle stehen wir - wie bereits erwähnt - aktuell auf dem geteilten dritten Platz mit vier Punkten. Es bleiben noch drei Spieltage – da kann noch viel passieren. Am 11.07.26 sind wir in Unna-Fröndenberg am Start. Bis dahin: Kopf hoch, weitermachen, weiter an uns glauben. Schauen wir mal was wird...
LP