SOLENT CUP 2016 - die ETUF Crew

SOLENT CUP 2016

30.10.2016 bis 02.11.2016

SOLENT CUP 2016 zum dritten Mal, und alles ohne Segelschein...oder?

Wenn alle Segler ihre Schiffe aus dem Wasser geholt haben und wehmütig an die Zeit zurückdenken mit Wind und schönem Wetter dahin gesegelt zu sein. Wenn man an die vielen Regatten denkt, die man in den letzten Wochen und Monaten gesegelt ist, dann gibt es das 6 an der Zahl, die es  zum Ende des Jahres nochmal wissen wollen und sich nicht der Kälte und Feuchte des Winters beugen.

Es sind diese 6, die auch so schon einiges an Meilen in 2016 auf der Uhr hatten, aber anscheinend nie genug davon bekommen können. Diese 6, die im letzten Jahr  nicht mitgefahren sind, weil es ausfiel, aber davor schon zweimal dabei waren.

Beim Solent Cup! Ausgerichtet von einer der besten Skipperschulen überhaupt. Bernd Reese und sein Team aus Essen, das in Port Hamble SSS und SHS Scheininhaber zu richtigen Seglern macht und dieses dann einmal im Jahr in einer Regatta rund um die Isle of White  unter Beweis stellen lässt.

Nun sind die 6 dabei eher die Ausnahme, denn keiner hat einen dieser doch so hochwertigen deutschen Segelscheine und nur mit einer Sondergenehmigung, die vor 4 Jahren unserem Skipper ausgesprochen wurde, dürfen wir an dieser Regatta überhaupt teilnehmen.

Mit einer große ETUF Flagge im Gepäck geht es am 30.10.2016 abends mit Flybe nach Southampton. Der Veranstalter Bernd Reese ist mit uns dabei und wir trinken schon mal ein Bierchen am Flughafen zusammen. Anders als in den letzten Jahren sollte dieses Jahr einmal nicht so viel Wind sein und – man höre und staune -  es soll trocken bleiben. Wow! Wenn wir von weniger Wind sprechen, meinen wir unter 45 Knoten.

Am Morgen des 31.10.2016 gibt es dann eine Skipperbesprechung, die uns den Tagesablauf erklärt, an dem wir einige Dreiecke im Solent absolvieren sollen, um uns ein bisschen einzusegeln.
Dieses machten wir dann erfolgreich mit den Plätzen 1, 1 und 2.

Auch 0,2m Wasser unter dem Kiel hat unseren Navigator dabei nicht beunruhigt. Erst am nächsten Tag, als er feststellte, dass sein I-Pad auf Fuß statt auf Meter eingestellt war, überlegte er nochmal sein Handeln. Man muss wissen, jeder hat seine Aufgabe an Bord und zwar nach Fähigkeiten verteilt.

Am Abend in Portsmouth haben wir in der Marina übernachtet und in einem Bistro gut gegessen.

Am 01.11.2016 war es dann endlich soweit. Um 11:45 Uhr war der Start zu der Regatta rund um die Insel. Wir hatten ein Zeitfenster von 5 Stunden um bei den Needles anzukommen, dann sollte der Strom kippen und wir könnten mit Strom im Rücken Richtung Cowes kreuzen.

Unser Team entfernte sich, in einer gemeinschaftlichen Entscheidung, ca.2 Meilen von der Küste, um nicht in die Windabdeckung zu gelangen, da wir in Lee der Isle of Wight segelten. Die anderen Teams sahen das anderes und gingen dicht unter Land in Richtung Needles. Unseren durch einen super Start herausgefahrenen Abstand zu den anderen, verloren wir Stück um Stück, da die Fallwinde von der Insel den anderen Teams doch etwas mehr Druck im Segel gaben. Wir ließen uns jedoch nicht beirren und machten uns selber Mut , denn irgendwann muss ja mal da oben Schluss sein und es muss zu einer Flaute kommen, .

5 Meilen vor den Needles bekamen wir es mit Windphänomenen zu tun, die keiner von uns je erlebt hatte. 2 Meilen vor der Südküste der Isle of White segelt man gerade noch mit Genacker und 4 Bft, als plötzlich eine Flautenloch vor uns entsteht mit 0 Wind. 10 Sekunden später knallt eine Böe in die Segel, so dass wir nur noch mit Genacker nach Lee auf Vorwind abdrehen können. Das Ganze dann ein halbes dutzend Mal, bis die Böen so heftig wurden, dass wir den Genacker bergen mussten. In diesem Moment waren dann auch die „Hergottsbscheißerle“ (Maultaschen) fertig, welche jedoch zunächst mal stehen bleiben mussten.

Offensichtlich haben wir diese Situationen aber ganz gut gemeistert, denn wir waren mit dem Ersten wieder gleich auf.

Die dann anstehende Halbwindstrecke mit Fock und Groß war nur noch 2 Meilen lang. Die Böen wurden immer heftiger und wir banden das erste Reff ins Groß. Wir entschlossen uns, da wir 2 Stunden zu früh bei den Needles ankommen würden und uns ein heftiger Strom von 4 Knoten gegenan stünde, so hoch wie möglich die Untiefentonne vor den Needles anzufahren und erst kurz vorher mit dem Strom von der Seite diese zu queren. Mit Verlaub gesagt, „das war so schlau“ und dann noch eine halbe Meile den Strom zu queren um dann hoch am Wind gegen den Strom in den nächst gelegenen Nährstrom zu fahren. Die anderen Teams fielen zurück. Einige bekamen die Tonne nicht oder wurden soweit vom Strom versetzt, dass sie nun eine Meile hinter uns lagen.

Es war nun 17:00 Uhr und die Sonne war untergegangen. Der Wind ging etwas zurück und wir refften wieder aus. Es wurde kalt, feucht, Müdigkeit zog in uns. Es waren nun noch 30 Meilen erbitterte Kreuz durch die Needles und den Solent bis nach Cowes. Immer auf der Suche nach der richtigen Höhe am Wind und vor allem nach den Neerströmen, denn der Hauptstrom kam uns immer noch mit 3-4 Knoten entgegen. Bei der  schlechter werdenden Sicht, es war nun 18:00 Uhr und stockdunkel, konnten wir unsere Gegner kaum noch erkennen!

Aber wir wussten bei den anderen Teams kippt der Strom als erstes und sie werden zu uns "gespült werden". 19:00 Uhr wir können den ersten unserer Gegner ausmachen. Er liegt eine halbe Meile unter uns und folgt genau unserer Strategie. Der Strom war jetzt heftigst mit uns und wir laufen bis zu 13 Knoten über Grund. Jetzt müssen wir auch noch kämpfen, denken wir und sprechen es aus. Das Team entschied, bei dem Gegner zu bleiben und diesen möglichst zu decken, was bei der geringen Sicht sehr schwierig ist. 19:30 Uhr – hier muss irgendwo das Ziel sein, zwischen Schnellfähren,  Tankern, dutzenden von beleuchteten und unbeleuchteten Tonnen, muss ein Kutter liegen, der unsere Ziellinie an BB oder StB hat. Wir erkennen ihn, wissen aber nicht auf welcher Seite die Zieltonne liegt. Der Gegner ist nun direkt hinter uns.

Wenn wir jetzt an dem Ziel vorbei fahren ist alles verloren. Zurück segeln bei 6 Knoten, Strom gegen an – No Chance! Der Suchscheinwerfer sucht alles ab, „da liegt keine Tonne!“ rief der Vorschiffmann – „nur eine gelbe mit Blinklicht“ – Ist sie das? Noch eine Wende  quer zur Ziellinie ist besser als daneben darüber zu rauschen. -  „sie muss es sein!“ spricht unser Navigator der das I Pad für Blinde in den max. Zoom gescrollt hat. Wieder Wende und zwischen dieser ominösen Tonne und dem Schiff durch. Es hupt – Gewonnen!

In der East Cowes Marina gab es dann den verdienten Anleger und ein gutes Abendessen mit Siegerehrung. Bernd Reese bemängelte, dass es nicht richtig sei, zu gewinnen, wenn man nicht mal den richtigen Segelschein dazu hätte. Wir gelobten Besserung und werden uns bei Bernd sicher weiterbilden lassen. Wir können halt nur schnell segeln!

Das ETUF Team für den Solent Cup 2016.