Historischer Aufstieg

Der Versuch, den Bericht über das Ereignis des vergangenen Sonntags nicht allzu pathetisch zu gestalten, muss fehlschlagen. Also versuche ich es erst gar nicht.

Zu sehr erfüllt es mich mit Stolz, dass WIR es geschafft haben.

Wir?! Das sind 315 Jahre Etuf-Golf. Diese beeindruckende Zahl setzt sich aus 2 Faktoren zusammen.

Zum einen haben wir in diesem Jahr insgesamt 15 Spieler eingesetzt (Matthias Klein, Jan Ochsenfarth, Basti Brandau, Max Nellessen, Niclas Janus, Tim Bobzin, Jan Simon Hüwels, Tim Wallbruch, Bernd Brandau, Matthias Spiegel, Ole Hansen, Axel Kerkmann, Bobby-Joe Brinkmann, Moritz Waubke, Raphael Rubin). Mehr als alle anderen Mannschaften unserer Liga.

Ein Zeichen dafür, wie stark wir in der Breite sind. Ein Kompliment für die Institution Clubmannschaft des Etuf, zu der man als Golfer im Etuf gehören möchte und der man sich verbunden fühlt, für die man sich bereithält und für die man sich Zeit frei macht.

Zum anderen sind alle eingesetzten Spieler Eigengewächse.

Für den hiesigen Zweck sehen wir Jan Ochsenfahrth, der in diesem Jahr vom Berg zu uns ins Tal gekommen ist, mal als solches an. Hätte er sich nicht bereits als Jugendlicher mit uns messen müssen, wäre eh nichts aus ihm geworden. Das ist wie Eigengewächs.

Herrn Spiegel und mich verbinden nunmehr 25 Jahre Clubmannschaft. Die mit unseren Mannschaftsspielen verbundenen Anekdoten sind unzählbar. Mit ein bisschen Wehmut denke ich, denken wir alle an die Zeit des alten Spielsystems zurück. Ein Wochenende. 72 Loch. Eine Schlacht. Seit Einführung des „neuen“ Ligasystems im Jahr 2013 spielen wir in der Gruppenliga, bestenfalls Landesliga. Vor 3 Jahren unglücklich in die Gruppenliga abgestiegen, waren wir direkt wieder aufgestiegen. Corona hat uns im letzten Jahr die Aufstiegssaison genommen. Scheinbar konnten wir diese Pause jedoch besser nutzen als die anderen. Wieder aufgrund Corona und des Ausfalls des 1. Spieltags, begann die Saison für uns mit einem Heimspiel. Heiß auf Mannschaftsgolf ließen wir nichts anbrennen, gewannen den 1. Spieltag und setzten uns an die Tabellenspitze. Nur bedingt ein Indikator für die Chancen in der Saison, da unser manchmal mit einem Lächeln bedachter Golfplatz gerne bei Mannschaftsspielen seine Zähne zeigt und den Gästen besagtes Lächeln aus dem Gesicht wischt.

Tatsächlich brachte der 2. Spieltag in Röttgersbach den einzigen kritischen Moment der Saison. Wir belegten mit mäßigen Ergebnissen Platz 3, sodass wir gemeinsam mit den Mannschaften aus Mettmann und Grevenmühle gleichauf auf Platz 1 lagen.

Schon am nächsten Spieltag konnten wir den verloren geglaubten Vorteil des 1. Spieltags jedoch zurückerobern, indem wir Mettmann auf heimischem Platz schlagen konnten. Zwar nur mit 4 Schlägen. Aber darauf kommt es nicht an. Spätestens jetzt war die Aufstiegschance keine fixe Idee, sondern realistisches Ziel.

Ein bisschen Drama musste jedoch noch sein. Der vorletzte Spieltag dürfte, jedenfalls in der Nachschau, die Vorentscheidung gebracht haben. Am Ende eines langen, kampfreichen Tages auf der Anlage Grevenmühle waren wir wieder Tagessieger. Zum 3. Mal am 4. Spieltag der Saison. Bei 7 gewerteten Ergebnissen - die Clubmannschaft tritt pro Spieltag mit 8 Spielern an, das schlechteste Ergebnis wird gestrichen - schlaggleich mit Mettmann, der zweitplatzierten Mannschaft. Nach den Regeln des Deutschen Golfverbandes entscheidet in diesem Fall der bessere Streicher über die Platzierung. Hier hatten wir eine 90 zu bieten. Mettmann nur eine 100. Und wieder bewahrheitete sich, dass Mannschaftspiele „hinten“ gewonnen werden.

Vor dem letzten Spieltag im Niederrheinischen GC Duisburg hatten wir somit 2 Punkte und 13 Schläge (bei Gleichstand am Saisonende entscheiden die absoluten Schläge über CR) Vorsprung auf den Verfolger Mettmann. Das Ziel des erstmaligen Aufstiegs des Etuf in die Oberliga war nah. Eine Woche lang mussten wir immer wieder diskutieren, welche Konstellationen nötig wären, um den Aufstieg noch zu verpassen. Aufgrund der Punkteregelung müsste sich eine Mannschaft zwischen uns und Mettmann schieben. Zudem müssten wir noch mehr als 13 Schläge auf Mettmann verlieren (wie ist eigentlich die Stechregel bei Punkt- und Schlaggleichstand?). Eine Woche kann lang sein…

Als ich am Sonntagmorgen die Anlagen in Duisburg betrat, war jedoch klar:

Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir?“ (John F. Kennedy)

Getreu des legendären Kommentars von Severeano Ballesteros schaute ich meinen Mitspielern in die Augen, schüttelte ihre Hände, klopfte ihnen auf die Schulter und wünschte Ihnen Glück. Dabei dachte ich, euch mach ich fertig. Leider allzu schnell dachte ich an einen anderen Spruch von Seve:

Ich wünschte die Fairways wären schmäler angelegt. Dann müssten alle aus dem Rough spielen - nicht bloß ich.

Es gibt angenehmere Arten einen Sonntag zu verbringen, als auf einem nicht unkomplizierten Golfplatz, bei nicht unkomplizierten Wetterbedingungen zu stehen und darum zu kämpfen, einen sicher geglaubten Aufstieg noch aus der Hand zu geben. Ja? Eigentlich nicht. Eigentlich kann ich mir keine bessere Art vorstellen einen Sonntag zu verbringen, als nach dem 2. Platzregen die Regenjacke wieder auszuziehen und weiter zu kämpfen. Die 18 zu beenden und von der guten Seele der Mannschaft, Sarina Brandau, mit einem Pils empfangen zu werden. Auf der Terrasse sofort in die Analyse der Bedingungen und der eigenen Fehler einzusteigen und auf Grundlage von im Vorübergehen aufgeschnappten Ergebnissen die Platzierung abzuschätzen. Wenn dieser Tag auch noch damit endet, dass wir den 4. Tagessieg einfahren und souverän mit 4 Punkten Vorsprung die Liga gewinnen, dann ist der Tag perfekt.

Ja, der Etuf ist in die Oberliga aufgestiegen. Erstmals seit Einführung des Ligasystems und in den bald 30 Jahren, die ich im Etuf Golf spiele, erst zum 2. Mal.

Damals sind wir sofort wieder abgestiegen. Auch für die nächste Saison habe ich zunächst unseren ehemaligen Trainer, Helmut Mair, im Kopf, der vor einem Willy-Schniewind-Spiel einmal sagte, wir würden mit Pfeil und Bogen auf Panzer schießen. Damals haben wir in einem legendären Moment, im Stechen durch Konstantin Nellessen, die Klasse gehalten. Also her mit Pfeil und Bogen.

Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ (Berthold Brecht)

Ich freue mich unbändig darauf, mit dieser Mannschaft aus Etuf-Urgesteinen (und dem Typen vom Berg) im nächsten Jahr in der Oberliga anzutreten. Schon jetzt macht es Spaß und Vorfreude, zu gucken wer auf- und abgestiegen ist und sich auszumalen, mit wem man in einer Gruppe landen wird. Da sind die Absteiger aus der Regionalliga, Aachen, Gütersloh und Oldenburg. Das sind diejenigen, die die Klasse gehalten haben, wie Rheine/Mesum, Kassel-Wilhelmshöhe und Leverkusen. Und das sind die Mitaufsteiger, Schmitzhof, Hubbelrath, Wasserburg-Anholt und Bielefeld.

Egal wer‘s wird, zieht euch warm an. Wir sind hochmotiviert und werden weiter von den nicht nachlassenden, arroganten Sticheleien des Verfassers nach vorne getrieben werden.

Hoffentlich wird der ein oder andere Spielort etwas entfernter liegen, sodass wir bereits am Samstag werden anreisen und übernachten müssen. Dann will ich mir mit dir, Tutti, ein Zimmer teilen, Flucht aus L.A. gucken (Hollywood Kino mit Kurt Russell von 1996: Großes Kino oder harter Tobak; ein Insider) und weiter an der Geschichte der Clubmannschaft des Etuf schreiben.

Matthias Klein

Mannschaftsergebnisse im Detail - Alle Spieltage 2021

1. Spieltag = Finaltag (corona-bedingte Verschiebung auf Nachholspieltag)