ETUF Fechten.

Die His­to­rie der Fech­trie­ge

In den ETUF-Nach­rich­ten-Heft 6, Juni 1959, der Fest­aus­ga­be zum 75jäh­ri­gen Be­ste­hen des Es­se­ner Turn- und Fecht­klubs 1884 - 1959, schrieb Emil Leon­hard u.a.:

Das alte Wappen der ETUF Fechtriege.
Das alte Wappen der ETUF Fechtriege.

Wol­len wir die Grün­dung des „Fecht­klubs“, die­ser Ur­zel­le des ETUF, in die Ge­samt­ge­schich­te der Fecht­kunst und des Fecht­sports ein­ord­nen, so müs­sen wir fest­stel­len, daß sie in eine ent­schei­den­de Über­gangs­epo­che fällt. Sei­nen un­mit­tel­ba­ren prak­ti­schen Zweck seit Men­schen­ge­den­ken die Vor­be­rei­tung auf den Ernst­kampf — hatte das Fech­ten da­mals fast völ­lig ver­lo­ren, nach­dem gegen Mitte des 19. Jahr­hun­derts die Stoß­waf­fen auch von den Hoch­schu­len ver­bannt wor­den waren. An­de­rer­seits hatte das Fech­ten als reine Kör­per­übung noch keine wirk­li­che Be­deu­tung er­langt. Zwar war es als sol­che von Jahn und Frie­sen in der­Tur­ner­be­we­gung sehr ge­för­dert wor­den, durch die Turn­sper­re von 1819 aber wie­der­um zum Er­lie­gen ge­kom­men. Es gab keine Stät­te mehr, wo die gro­ßen Tra­di­tio­nen deut­scher Fecht­kunst, die Leh­ren der be­rühm­ten Fecht­meis­ter­dy­nas­tie der Kreuss­ler (17. und 18. Jahr­hun­dert), fort­wir­ken konn­ten. Mit sei­nem fes­ten Kom­ment und sei­ner fes­ten Men­sur war das stu­den­ti­sche Fech­ten ganz ei­ge­ne Wege ge­gan­gen.

Die Zeit des mo­der­nen Fecht­sports war noch nicht an­ge­bro­chen. Noch hat­ten nicht die gro­ßen ita­lie­ni­schen Lehr­meis­ter, die Schia­vo­ni, Gaz­ze­ra, Ta­glia­bó und Ses­ti­ni, ihren Ein­zug in Deutsch­land ge­hal­ten. Erst um die Jahr­hun­dert­wen­de soll­ten diese Meis­ter, von den staat­li­chen Fecht­schu­len Ita­li­ens kom­mend, Be­geis­te­rung für das Fech­ten mit den mo­der­nen Sport­waf­fen, dem Flo­rett, dem leich­ten Säbel und dem Degen, we­cken.

Der „Flo­ret­tier­klub“

Von die­ser neuen fech­te­ri­schen Er­leuch­tung konn­te im Jahre 1884, dem Grün­dungs­jahr des ETUF, noch keine Rede sein. Der erste Fecht­leh­rer des Klubs, der von Fried­rich Al­fred Krupp ver­pflich­te­te Ser­geant Roux, kam aus der Schu­le der fran­zö­si­schen Armee. Wir haben kei­nen Grund, daran zu zwei­feln, daß er ein guter Lehr­meis­ter war. Die fran­zö­si­sche Schu­le war da­mals hoch­ent­wi­ckelt. Daß sie von der ita­lie­ni­schen, die dann das mo­der­ne Sport­fech­ten nach Deutsch­land brach­te, zu jener Zeit noch be­deu­tend stär­ker ab­wich als heute, braucht nicht der Grund dafür ge­we­sen zu sein, daß von die­ser ers­ten fech­te­ri­schen Ar­beit im ETUF keine Dau­er­wir­kun­gen aus­gin­gen und diese erste Ge­ne­ra­ti­on von ETUF-Fech­tern den An­schluß an die um 1890 ein­set­zen­de Ent­wick­lung des mo­der­nen Sport­fech­tens ver­paß­te. Wir müs­sen uns den da­ma­li­gen Fech­ter­kreis des ETUF viel­mehr als eine Grup­pe ge­setz­ter Män­ner ohne be­son­de­re fech­te­ri­sche oder über­haupt sport­li­che Am­bi­tio­nen vor­stel­len, als einen „Flo­ret­tier­klub“ , in dem man nur Er­ho­lung und etwas ge­sun­de Be­we­gung such­te. Weil dies so war, ist es un­se­ren fech­ten­den Klub­ah­nen of­fen­bar auch leicht­ge­fal­len, nach dem Tode Roux' ohne Weh­mut auf das „Flo­ret­tie­ren“ zu ver­zich­ten und zur Hand­ha­bung des schwe­ren Sä­bels über­zu­ge­hen, die Roux' Nach­fol­ger, Ro­bert Dal­li­stat, bei einem Uni­ver­si­täts­fecht­meis­ter in Mar­burg er­lernt hatte. Nie­mand aus die­sem Kreis wird da­mals über­haupt ge­merkt haben, daß man sich damit ge­ra­de in die­sen für den Fecht­sport so ent­schei­den­den Jah­ren zu­rück­be­weg­te. An­de­re z.T. noch äl­te­re deut­sche Fecht­klubs, wie Han­no­ver (1862), Of­fen­bach (1863), Köln (1865), „Her­ma­nia“ Frank­furt (1874), zu denen um die Jahr­hun­dert­wen­de Lehr­meis­ter mo­der­ner Schu­le stie­ßen, soll­ten bald im Fecht­sport eine rich­tungs­wei­sen­de Rolle spie­len.

1930, Theo Osiander 5. v.l., Karl Wiemann 2. v.r.
1930, Theo Osiander 5. v.l., Karl Wiemann 2. v.r.

Lange Pause

Im ETUF da­ge­gen hatte, nach allem was wir wis­sen, jede sys­te­ma­ti­sche fech­te­ri­sche Be­tä­ti­gung schon vor Be­ginn des ers­ten Welt­krie­ges auf­ge­hört. Fast könn­te man hier von „Tra­gik“ spre­chen, wenn man be­denkt, daß der Klub vom Jahre 1893 an in dem neuen Turn- und Fecht­saal am Ost­feld eine Sport­stät­te besaß, die für eine er­sprieß­li­che fech­te­ri­sche Ar­beit — und auch als stän­di­ger „Saal“ für einen Fecht­meis­ter — ge­ra­de­zu ideal war. Wohl wur­den hier ge­le­gent­lich von ei­ni­gen Un­ent­weg­ten schwe­re Säbel und Schlä­ger ge­kreuzt, meist wohl, um Er­in­ne­run­gen aus der Stu­den­ten­zeit auf­zu­fri­schen, von einer fecht­sport­li­chen Ak­ti­vi­tät im ei­gent­li­chen Sinne konn­te aber keine Rede sein, lange Jahre blieb der ETUF ein „Fecht­klub“ nur dem Namen nach.

Ein kur­zes Ka­pi­tel

Eine Wand­lung brach­te erst das Jahr 1928. Zu die­sem Zeit­punkt fan­den sich - an­ge­regt wohl durch die Tä­tig­keit der in­zwi­schen in Essen ge­grün­de­ten an­de­ren Fecht­ver­ei­ne und durch die Kunde von den ers­ten Welt­er­fol­gen deut­scher Fech­ter, die ge­ra­de in diese Zeit fal­len - ei­ni­ge ETUF-Mit­glie­der zu­sam­men, um das Fech­ten mit den mo­der­nen Sport­waf­fen auf­zu­neh­men. Das war der Start zum zwei­ten Ab­schnitt in der ETUF-Fecht­ge­schich­te. Theo Osi­an­der, in Ber­lin von dem Ita­lie­ner Schia­vo­ni ge­schult und da­mals schon auf vie­len Tur­nie­ren er­folg­reich, über­nahm die Aus­bil­dung. Wir las­sen hier am bes­ten ihn selbst zu Wort kom­men, indem wir eine kurze Auf­zeich­nung von sei­ner Hand wie­der­ge­ben:

Fech­ten im Es­se­ner Turn- und Fecht­klub Ende der zwan­zi­ger Jahre.

Bis zum Jahre 1928 hat­ten im ETUF die Fecht­übun­gen län­ge­re Zeit ge­ruht. Stum­me Zeu­gen aus der frü­he­ren fech­te­ri­schen Tä­tig­keit vor­wie­gend schwe­re Säbel und Schlä­ger - hin­gen zahl­reich und wohl­ge­ord­nert im Ge­rä­te­raum. Um an die alte Tra­di­ti­on wie­der an­zu­schlie­ßen, wurde das Fech­ten wie­der auf­ge­nom­men, und zwar mit den leich­ten Sport­waf­fen.

Nach­dem der ETUF mir die Er­tei­lung des Un­ter­richts über­tra­gen hatte, führ­te ich zu­nächst ein Schau­fech­ten durch, zu dem ich Herrn P. Schul­ze, Düs­sel­dorf, Frl. G. Simon, Mül­heim, und meine Frau mit her­an­zog. Das In­ter­es­se war ge­weckt, und an den nun re­gel­mä­ßig durch­ge­führ­ten Fech­t­aben­den nah­men etwa vie­rungzwan­zig Her­ren teil, wel­che eif­rig übten. Da keine Vor­fech­ter zur Ver­fü­gung stan­den, wurde zu­nächst in Ge­mein­schafts­übun­gen ge­ar­bei­tet und nach ei­ni­ger Zeit die ta­len­tier­ten Fech­ter in Ein­zel-Lek­tio­nen vor­ge­nom­men. Nach einem Jahr konn­ten die ers­ten Fech­ter die Tur­nier-Rei­fe­prü­fung be­ste­hen. Diese Prü­fung wurde da­mals nicht im Ver­ein, son­dern in der Gau­grup­pe durch­ge­führt. Am 13. Ja­nu­ar 1929 be­stan­den die Prü­fung: Wal­ter Breu­ker, Erich Haake, Dr. E. Her­ken­rath, Hel­mut Koch, Dipl.-Ing. H. Köp­pen, Hel­mut Kraut­mann, Dr. A. Rou­gier, Haupt­mann Sehrö­der und Dipl.-Ing. O. Wäld­ner.

Bei den nun fol­gen­den Tur­nie­ren waren auch die ETUF-Fech­ter unter den Sie­gern ver­tre­ten. Die er­folg­reichs­ten Fech­ter waren Dr. Her­ken­rath, Dipl.-Ing. Wäld­ner und W. Breu­ker, die sich bei den Kämp­fen der Ju­nio­ren bis in die End­run­de be­haup­ten konn­ten, was bei Dr. Her­ken­rath mit sei­nen 51 Jah­ren be­son­ders her­vor­zu­he­ben ist. Bei den Flo­rett­kämp­fen der Fech­ter über 40 Jahre be­leg­te Dr. Her­ken­rath am 6. Ok­to­ber 1930 in Essen den 3. und am 19. Ok­to­ber 1930 in Düs­sel­dorf den 4. Platz.

So­weit Th. Osi­an­der.

Die Vor­aus­set­zun­gen für eine fecht­sport­li­che Ent­wick­lung im ETUF schie­nen also ge­ge­ben zu sein. Doch an die wich­tigs­te Auf­ga­be, der alle Sor­gen und Mühen einer Fech­trie­ge gel­ten müs­sen, wenn sie Be­stand haben soll, war man noch nicht her­an­ge­gan­gen: Die Her­an­zie­hung und Aus­bil­dung Ju­gend­li­cher. Das ist leicht zu er­klä­ren; die meis­ten der da­ma­li­gen ETUF-Fech­ter waren schon mitt­le­ren Al­ters, als sie die­sen schwer zu er­ler­nen­den Sport auf­nah­men — nicht ohne eine ge­wis­se Rüh­rung lasen wir ja so­eben von dem 51jäh­ri­gen „Ju­ni­or“. Von die­sen Män­nern, die selbst noch Neu­lin­ge des Sports waren, konn­te nie­mand er­war­ten, daß sie sich als Aus­bil­der be­tä­tig­ten. Theo Osi­an­der wird alle Hände voll zu tun ge­habt haben, um die­sen Neu­lin­gen selbst erst ein­mal die Grund­be­grif­fe bei­zu­brin­gen. Wenn also die da­ma­li­ge Fech­trie­ge kaum drei Jahre am Leben blieb, so war das nicht ei­gent­lich auf ein Ver­säum­nis oder Feh­ler der da­ma­li­gen ETUF-Fech­ter zu­rück­zu­füh­ren; die­ses schnel­le Ende des zwei­ten Ab­schnitts der ETUF-Fecht­ge­schich­te be­stä­tigt viel­mehr nur die Er­fah­rung, daß es un­end­lich schwie­rig, ja fast un­mög­lich ist, eine Fecht­ge­mein­schaft ohne einen guten Stamm wirk­lich er­fah­re­ner Fech­ter auf­zu­bau­en und am Leben zu er­hal­ten.

So­weit Emil Leon­hard zum 75jäh­ri­gen Be­ste­hen der Fech­trie­ge.

Fast zwei Jahr­zehn­te ETUF-Ge­schich­te soll­ten nun ohne Fech­trie­ge ver­ge­hen, wäh­rend der deut­sche Fecht­sport einen glanz­vol­len Auf­stieg er­leb­te. Im ETUF ruhte das Fech­ten bis zum Jahre 1950. Man mußte auf­grund des­sen, daß Fech­ten zu den von den Al­li­ier­ten ver­bo­te­nen Sport­ar­ten ge­hör­te, vor­über­ge­hend den Namen "Es­se­ner Turn- und Fecht­klub" än­dern in "Es­se­ner Turn- und Faust­ball­klub" , um den Namen "ETUF" bei­be­hal­ten zu kön­nen.

Ende 1949 rühr­te sich der deut­sche Sport wie­der nach dem schreck­li­chen Krieg und sei­ner eben­so schreck­li­chen Nach­kriegs­zeit. Am 27. 11. 1949 fand im klei­nen Ple­nar­saal des Bun­des­hau­ses in Bonn die Grün­dungs­ver­samm­lung des DFB, des ein­zi­gen Fach­ver­ban­des der Sport­fech­ter in den West­zo­nen, statt. Prä­si­dent wurde Erwin Cas­mir. Im Zuge der gleich­zei­tig in Bonn er­folg­ten Neu­grün­dung des nord­rhei­ni­schen Fecht­ver­ban­des for­mier­ten sich in Essen wie­der der "Sport­fecht­ver­ein Waf­fen­brü­der­schaft Essen e. V." unter Wal­ter Win­kel­mann und die "Fech­t­ab­tei­lung desT­bd. Essen-Wer­den" unter Jupp Ba­naszek.

Be­reits im Ja­nu­ar 1950 wurde ein Schau­fech­ten gegen Wer­den, u.a. mit Ba­naszek, Weh­ren­pfen­nig (frü­her Waf­fen­brü­der­schaft), Tett­meis­ter und Schü­ler sowie die Damen Frau Ba­naszek, Schmitz und Volke, ver­an­stal­tet. Bei den Es­se­nern wirk­ten mit Schwi­gat, Kreutz­ber­ger, Meh­rens, Meis, Schmitz, v.d. Lin­den, Win­kel­mann, Mat­t­hies, Meis­ter­burg, Leon­hard, Blan­ken­bach, Neut­zer, fer­ner die Damen Schwi­gat, Schmitz, Bar­tel, Leon­hard und Laue.

Nach vor­be­rei­ten­den Ge­sprä­chen des ETUF-Vor­stan­des mit Wal­ter Win­kel­mann und "Bello" Kreutz­ber­ger wur­den die ehe­ma­li­gen Mit­glie­der der "Waf­fen­brü­der­schaft" am 30. 1. 1950 in den ETUF auf­ge­nom­men. Sie bil­de­ten zu­nächst keine ei­ge­ne Riege, son­dern un­ter­stan­den als Ab­tei­lung dem Haupt­vor­stand.

Wal­ter Win­kel­mann zur Frage:

Warum Bei­tritt der Fech­ter zum ETUF?

Die Waf­fen­brü­der­schaft war allen Mit­glie­dern mehr als ein Ver­ein; es war eine Fech­ter­fa­mi­lie. Ar­beit, Opfer und Ka­me­rad­schaft in allen Si­tua­tio­nen form­ten diese Fa­mi­lie und ver­mit­tel­ten in frei­wil­li­ger Selbst­dis­zi­plin eine sau­be­re Sport­ge­sin­nung und echte Le­bens­freu­de. Die schö­nen Feste, Son­nen­wend­fei­ern, Wan­dern zu Was­ser und zu Lande, die Fahr­ten zu Wett­kämp­fen und Deut­schen Meis­ter­schaf­ten, die ge­mein­sa­men Mu­sik­aben­de und be­son­ders die Ka­me­rad­schafts­aben­de sind allen noch in leb­haf­ter Er­in­ne­rung. In Er­in­ne­rung wird aber auch unser sport­li­ches und ge­sel­li­ges Leben man­chem der frü­he­ren Mit­glie­der des ETUF sein, zu dem wir herz­li­chen ka­me­rad­schaft­li­chen Kon­takt hat­ten. Und wie die Alten sun­gen, so zwit­scher­ten auch die Jun­gen der im Jahre 1935 ge­grün­de­ten Ju­gend­ab­tei­lung. Alle hin­gen stolz und mit be­son­de­rer Liebe an ihrem Ver­ein. Zu­sam­men­fas­send möch­te ich er­klä­ren: es lohn­te sich schon, für und in die­ser Ge­mein­schaft auf­zu­ge­hen. es lohn­te sich schon, für und in die­ser Ge­mein­schaft auf­zu­ge­hen.

Un­se­re sport­li­chen Er­fol­ge setze ich als be­kannt vor­aus und er­wäh­ne diese in die­sem Zu­sam­men­hang nicht. Der Zu­sam­men­halt die­ser Ge­mein­schaft ging aber auch nach dem Zu­sam­men­bruch nicht ver­lo­ren, als die Aus­übung un­se­rer Fecht­kunst durch das Kon­troll­rats­ge­setz ver­bo­ten war. Als Ende 1949 das Fech­ten wie­der ge­dul­det wurde, da konn­ten wir so­fort un­se­re Ge­mein­schaft auf dem Fecht­bo­den ver­ei­nen. Schwie­rig­kei­ten wur­den mit An­griffs­geist be­sei­tigt, und fröh­lich kreuz­ten Es­sens Fech­ter wie­der ihre Waf­fen. Die fi­nan­zi­el­le Grund­la­ge war durch Mit­glieds­bei­trä­ge ge­si­chert, und zu­sätz­lich zu den Lehr­kräf­ten im Ver­ein konn­te als Fecht­leh­rer unser Ka­me­rad Theo Osi­an­der, der auch frü­her im ETUF un­ter­rich­tet hatte, ver­pflich­tet wer­den. Auch sind noch Fech­te­rin­nen und Fech­ter da, die den Ver­ein zu­künf­tig auf allen Wett­kämp­fen ver­tre­ten wer­den. An­ge­sichts der jetzt 25jäh­ri­gen Tra­di­ti­on die­ses Ver­eins, der im deut­schen Fecht­sport ein Be­griff war, drängt sich man­chem die Frage auf: Warum gibt denn die­ser gut fun­dier­te Ver­ein sein Ei­gen­le­ben auf? Was bie­tet uns der ETUF im Ver­gleich zu sei­nen an­de­ren Rie­gen, in den z.B. die Ru­de­rer, Ho­ckey- un­d­Ten­nis­spie­ler ver­eins­ei­ge­ne sport­li­che Ein­rich­tun­gen be­nut­zen, wäh­rend wir nichts in An­spruch neh­men?

Hier­zu möch­te ich fol­gen­des er­klä­ren:

  1. Unser früherer Vereinsname erregte an einigen Stellen durch die Bezeichnung "Waffenbrüderschaft" Anstoß, obwohl wir immer Wert auf die Gesamtlesart des kompletten Namens legten. Der englische Sportoffizier und auch der Stadtverband für Leibesübungen empfahlen eine Namensänderung. Was lag da näher, als unsere Tradition in einem Verein fortzusetzen, der eine noch längere Fechttradition und dazu noch einen Namen hat, der nicht nur in der Sportwelt des Inlandes ein Begriff ist? In der Geschichte des Essener Fechtsportes ist m.E. bereits zweimal die Gelegenheit verpaßt worden, durch einen Zusammenschluß höhere Leistungen zu erzielen. Was wäre z.B. aus dem Essener Fechtsport geworden, wenn bei der Wiederauflebung im Jahre 1925 der ETUF die Führung übernommen hätte? War es doch vom ETUF Herr Reg.-Rat von Varendorff, der die Leitung der Waffenbrüderschaft übernahm. Erst später lebte die Fechtabteilung im ETUF selbst wieder auf. Der jugendliche Schwung in der Waffenbrüderschaft und die bereits in der Fechtkunst erfahrenen alten Herren hätten sich m.E. prächtig ergänzt. Beispielsweise hat mich im Jahre 1927 auf einem Wettkampf in Velbert Herr Dr. Herkenrath so betreut, daß es mit sein Verdienst war, daß ich von 60 Teilnehmern 3. Sieger wurde. Und als wir Essener Fechter anfangs 1930 alle Anstrengungen machten, um einen Fechtmeister nach Essen zu verpflichten, trat ich in meiner Eigenschaft als Kreisfachwart auch an den ETUF zwecks Teilnahme heran. Aber damals fand ich kein Verständnis. Dadurch, daß ich 1934 in der Kruppsehen Betriebssportgemeinschaft eine Fechtabteilung anregte, konnten wir gemeinsam den Italiener Alfredo Angelini aus Pisa verpflichten.
  2. Bei aller Liebe zu unserem gewesenen Verein sind wir doch objektiv genug in der Erkenntnis, daß wir trotz aller Opfer nur ein begrenztes Ziel erreichen können. Hierzu brauchen wir vom ETUF keinerlei finanzielle Unterstützung. Die jetzige Aufbaugeneration fühlt sich stark genug, unter Verzicht auf eigene Wettkampferfolge, da ihnen die Zeit durch die Unterrichtserteilung zum eigenen Training fehlt, eine starke Abteilung aufzubauen. Wir treten dann mit den übrigen Vereinsriegen in stärksten Wettbewerb, dem Vereinsnamen auf allen Wettkämpfen Ehre zu machen. Dann aber kommt der Zeitpunkt, an dem wir Hilfe benötigen, wenn wir besondere Leistungen vollbringen wollen. Endziel muß es sein, in Essen einen Fechtmeister ansässig zu machen, der die Grundausbildung durch Privatunterricht vornimmt, während der Verein das Training für Wettkämpfe durchführt. Der Bestand der Abteilung, der jetzt mit der Tatkraft der Ausbilder steht und fällt, muß unabhängig von diesen sein. Erfahrungsgemäß gibt es nur selten wirklich gute Ausbilder, die Idealisten sind und pädagogisches Talent haben.

Unser Wunsch und Be­stre­ben ist es, daß sich in Essen eine Hoch­burg im Fecht­sport ent­wi­ckelt.

Am 29.4.1950 fand die erste Mit­glie­der­ver­samm­lung statt, um die Re­gu­la­ri­en zu voll­zie­hen. Auf die­ser ers­ten Zu­sam­men­kunft ge­dach­te man der aus dem Krieg nicht mehr zu­rück­ge­kehr­ten Karl Wie­mann, Heinz Hal­ler­bach, Fritz Wolf, Kon­rad Lind­ner, Wer­ner Bül­les­bach, Sieg­fried Schle­gel, Eber­hard Fertsch, Kurt Görke und H. Schar­te.

Zum Vor­sit­zen­den und Fecht­wart wähl­te die Ab­tei­lung Wal­ter Win­kel­mann, Stellv. Vors. Wer­ner B. Kreutz­ber­ger, Schrift­füh­rer Emil Leon­hard. Fecht­leh­rer Theo Osi­an­der, der 1951 zum Fecht­meis­ter er­klärt wurde, über­nahm neben den Vor­fech­tern (heute würde man Übungs­lei­ter sagen) die Aus­bil­dung. Nun wurde das Sport­fech­ten auch of­fi­zi­ell wie­der er­laubt. (21.03.1950).

Wal­ter Win­kel­mann, Wer­ner B. Kreutz­ber­ger und Emil Leon­hard sind in die­ser Do­ku­men­ta­ti­on zur Er­in­ne­rung an „100 Jahre Fech­ten in Essen“ ei­ge­ne Ar­ti­kel ge­wid­met, so daß sie in den fol­gen­den Aus­füh­run­gen we­ni­ger ge­nannt wer­den.

Nach Mit­tei­lung des Bun­des­kanz­ler­amts vom 28. März 1950 - 72052261 50 - hat der ge­schäfts­füh­ren­de Vor­sit­zen­de der Al­li­ier­ten Hohen Kom­mis­sio­nen mit Schrei­ben vom 21. März 1950 - AG E C (50) 517 - fol­gen­de Ge­neh­mi­gung des Fecht­sports er­teilt:

Ich be­eh­re mich, Ihnen mit­zu­tei­len, daß die Al­li­ier­te Hohe Kom­mis­si­on die Wie­der­auf­nah­me des Fech­tens nicht be­an­stan­det, so­weit sich die Aus­übung die­ses Spor­tes nach den Re­geln des In­ter­na­tio­na­len Fecht­ver­ban­des voll­zieht. Sie geht dabei in­des­sen davon aus, daß die Durch­füh­rung des Du­ells in allen sei­nen For­men, ins­be­son­de­re die stu­den­ti­sche Men­sur, streng un­ter­sagt bleibt. Das Be­nut­zen von Ba­jo­net­ten, ganz gleich ob auf­ge­pflanzt oder nicht, wird eben­falls als mi­li­tä­ri­sche Tä­tig­keit an­ge­se­hen und als sol­che gemäß Ge­setz Nr. 16 der Al­li­ier­ten Hohen Kom­mis­si­on ge­ahn­det.

Curt Mu­el­ler, der aus jener Zeit be­kann­te Ka­ri­ka­tu­rist, sah die Wie­der­auf­nah­me des Sport­fech­tens auf seine Art.

Nicht nur so, son­dern auch so wird in Deutsch­land wie­der „ge­foch­ten“.

Fritz Schwi­gat ent­warf das noch heute gül­ti­ge Ab­zei­chen der Fech­trie­ge, in dem die Ver­bin­dung der ehern. „Waf­fen­brü­der­schaft“ mit dem ETUF zum­Aus­druck kommt (siehe Sei­ten 23 und 89).

Trainingsabend 1950, Leonhard (r), Winkelmann (l)
Trainingsabend 1950, Leonhard (r), Winkelmann (l)

Die ers­ten Aut­bau­jah­re der Fech­t­ab­tei­lung

des ETUF sind durch eine leb­haf­te Wett­kampf tä­tig­keit ge­kenn­zeich­net, so, als gelte es, Ver­säum­tes nach­zu­ho­len. Freund­schafts­kämp­fe gegen Mül­heim, Wer­den (Aus­schei­dung zum Ver­gleichs­kampf gegen West­fa­len), RhFK Düs­sel­dorf, Marl-Hüls, Lipp­stadt, Bo­chum, Müns­ter, aber auch um das "Schwert des ber­gi­schen Lan­des" , den "Otto-Kill­mer-Wan­der­preis", "In­dus­trie-Städ­te­kampf" (jah­re­lang vom ETUF ge­won­nen) waren neben den of­fi­zi­el­len Wett­kämp­fen her­aus­ra­gen­de Er­eig­nis­se.

An den­Tur­nier­er­fol­gen die­ser Jahre hat­ten immer noch die Äl­te­ren, die schon für die "Waf­fen­brü­der­schaft" Siege er­foch­ten hat­ten, den größ­ten An­teil. Dies waren bei den Damen Frau Schwi­gat (geb. Ver­s­ho­ven), Frl. Bün­ge­ler, Frau Schmitz (geb. Ver­s­ho­ven), Frau Kreutz­ber­ger (geb. Laue), Frau Leon­hard. Im Flo­rett Schwi­gat, Meh­rens, Win­kel­mann, Meis, Kreutz­ber­ger, Schnei­der; im Säbel Meis­ter­burg, Schmitz, Neut­zer, Leon­hard, v.d. Lin­den; im Degen Schwi­gat, Neut­zer. Mit Karl Heinz Krieb war aus Of­fen­bach ein ex­cel­lent aus­ge­bil­de­ter Stoß­waf­fen­fech­ter nach Essen ge­kom­men, der auch gleich in der Her­ren­flo­rett­mann­schaft mit Schwi­gat, Kreutz­ber­ger, Krieb, Meis und Schnei­der 1951 an den Deut­schen Meis­ter­schaf­ten in Frank­furt teil­nahm.

Bei den Lan­des­meis­ter­schaf­ten 1952 wur­den im Flo­rett Krieb 6., Schwi­gat 7. Im Säbel wurde Meis­ter­burg 6. Wal­ter Win­kel­mann:

Wenn Meis­ter­burg seine An­grif­fe wei­ter aus­bes­sert, so dürf­te er noch man­che Er­fol­ge ver­bu­chen kön­nen. Weh­mü­tig sah aber auch der Fecht­wart sei­nen nach dem Krieg für Düs­sel­dorf star­ten­den ehem. Schü­ler Karl Mat­t­hies, der - wie frü­her - in ele­gan­ter Weise seine Klin­ge führ­te.

Mat­t­hies wurde 5., damit nah­men er und Meis­ter­burg an den Deut­schen Meis­ter­schaf­ten in Han­no­ver teil. Im Degen er­reich­ten Dr. Grimm­ei­sen den 9. und Hei­nemann den 10. Platz, wäh­rend die un­ver­wüst­li­che Frau Schwi­gat mit dem 8. Platz, ihre be­stän­di­ge Form unter Be­weis stell­te.

Ge­foch­ten wurde Sams­tag nach­mit­tags in der Turn­hal­le der Lui­sen­schu­le. Da dort keine wei­te­ren Zei­ten zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den konn­ten, übte man im Klub­haus (die Ru­de­rer hiel­ten hart­nä­ckig an der Be­zeich­nung "Boots­haus" fest) in Hügel auf un­ebe­nem Stein­bo­den. Aber auch die Woh­nun­gen von Wal­ter Win­kel­mann und Emil Leon­hard sowie die Gast­stät­te Grimm­ei­sen muß­ten her­hal­ten, um den hoff­nuns­vol­len Nach­wuchs un­ter­rich­ten zu kön­nen. Ihm ge­hör­ten ins­be­son­de­re Man­fred Wulf, Horst Rabe, spä­ter Claus Remy, Jutta Hil­de­brandt und Paul Vo­land an. Dem Wer­de­gang von Man­fred Wulf als dem er­folg­reichs­ten Es­se­ner Fech­ter der Nach­kriegs­zeit ist ein ei­ge­nes Ka­pi­tel in die­ser Do­ku­men­ta­ti­on ge­wid­met, der Grund, warum er in den fol­gen­den Aus­füh­run­gen we­ni­ger ge­nannt wird.

Horst Rabe

geb. am 31. 7. 1933 in Wil­helms­ha­ven, hat in sei­ner frü­hen Ju­gend ge­boxt und woll­te beim Kampf­sport blei­ben. An­ge­regt durch den Film "Sca­ra­mou­che" hat er sich je­doch für den Fecht­sport ent­schie­den und trat 1950 der neu ge­grün­de­ten Fech­trie­ge des Nor­der TV bei. Sein ers­ter Aus­bil­der war Fecht­meis­ter Klee­mei­er aus Del­men­horst. 1952, aus be­ruf­li­chen Grün­den ins Ruhr­ge­biet ver­schla­gen, trat er der Fech­t­ab­tei­lung im ETUF bei. Seine we­sent­li­che Aus­bil­dung, zu­nächst im Flo­rett, er­hielt er von Emil Leon­hard. Spä­ter wurde er, be­son­ders im Säbel, von der Fecht­meis­te­rin Lilo Gras­ses un­ter­rich­tet.

Seit 1960 ge­hör­te Horst Rabe der Lan­des­son­der­klas­se im Flo­rett, spä­ter auch im Säbel, an. 1965 wurde er Rhei­ni­scher Lan­des­meis­ter im Flo­rett, 1966 und 1967 im Säbel. Ei­ni­ge Jahre schrieb er sich auf den 8. bis 12. Rang in die Deut­sche Rang­lis­te ein.

Seine be­stän­di­gen Er­fol­ge führ­ten 1964 zur Auf­nah­me in das Auf­ge­bot für die Olym­pi­schen Spie­le in Tokio, und 1968 war er Trai­nings­part­ner für die deut­schen Olym­pia­teil­neh­mer, zu denen auch sein Ver­eins­ka­me­rad Percy Bo­rucki ge­hör­te. Im glei­chen Jahr stand Horst Rabe in der deut­schen Mann­schaft beim Län­der­kampf gegen Japan stand Horst Rabe in der deut­schen Mann­schaft beim Län­der­kampf gegen Japan.

Außer den na­tio­na­len Er­fol­gen, die in der Ge­schich­te der Fech­trie­ge im ETUF ge­nannt wur­den, nahm Horst Rabe seit 1960 am Tur­nier "Wap­pen von Ham­burg" teil. Die­ses Tur­nier wurde ab 1962 als "In­ter­na­tio­na­le Deut­sche Sä­bel­meis­ter­schaft" aus­ge­tra­gen. Nach dem 1. Platz in der Aus­gleichs­run­de 1960 (Percy Bo­rucki wurde Ge­samt­sie­ger) er­reich­te er 1962 den 10. (Bo­rucki wie­der 1.), 1963 den 6. und 1964 den 4. Rang. Horst Rabe stand in der Mann­schaft des Rhein­lan­des, die unter Jupp Ba­naszek 1963 den in­ter­na­tio­na­len Sport­ver­kehr mit Groß­bri­tan­ni­en auf­nahm. Die Mann­schaft nahm einig Jahre an den "In­ter­na­tio­na­len Eng­li­schen Meis­ter­schaf­ten" in Le­a­m­ing­ton Spa (Bir­ming­ham-Cup) teil, wo Horst Rabe 1963 und 1965 je­weils 2. und 1966 3. wurde. Mit der Mann­schaft er­reich­te er in die­sen Jah­ren den 1. Platz.

Wenn schon die Übungs­vor­aus­set­zun­gen der Fech­trie­ge schlecht waren, so schien mit der Ver­pflich­tung des Fecht­meis­ters Za­mi­chie­li (Ve­ne­dig) we­nigs­tens das zwei­te große Ziel, näm­lich die Aus- und Wei­ter­bil­dung der Spit­zen­fech­ter, er­reich­bar. Lei­der zer­schlug sich diese Hoff­nung bald aus fi­nan­zi­el­len Grün­den.

Wett­kämp­fe gegen s'Her­to­gen­bosch, Rot-Weiß Ko­blenz, und den "Lippe-Schild", die erste Fech­t­aka­de­mie 1953, die Aka­de­mie zum 70jäh­ri­gen Be­ste­hen des ETUF 1954 mit den Meis­tern Za­mi­chie­li und Gaz­ze­ra waren - neben den of­fi­zi­el­len Wett­kämp­fen - die her­aus­ra­gen­den Er­eig­nis­se.

In die ers­ten Mann­schaf­ten rück­ten jetzt Nach­wuchs­kräf­te. Bei den Damen Frl. Baltz, Frl. Wim­mer, Frl. Hil­de­brand. Im Flo­rett Wulf; im Degen Hel­mich, Stein­forth, Hecke; Säbel Fehl­an­zei­ge. Man­fred Wulf wird 1955 bei den Ju­nio­ren Lan­des­meis­ter, bei den Ak­ti­ven 3. und bei den Deut­schen Ju­nio­ren­meis­ter­schaf­ten 5. Die­ter Hecke er­reicht bei den Lan­des­meis­ter­schaf­ten der Ak­ti­ven im Degen den 6. Platz.

Als Nach­fol­ger für Meis­ter Za­mi­chie­li konn­te

Dipl. Fecht­meis­ter Lilo Gras­ses

aus Düs­sel­dorf ver­pflich­tet wer­den. Unter den Meis­tern Risch­ka und An­ge­li­ni war sie zu einer star­ken Tur­nier­fech­te­rin her­an­ge­wach­sen und hatte auch als Fecht­meis­te­rin große Er­fol­ge mit ihrer Düs­sel­dor­fer Schu­le. Nicht nur, daß sie als Links­fech­te­rin sich auf den rech­ten Waf­fen­arm um­stell­te, sie wurde neben dem Flo­rett auch im Degen eine aus­ge­zeich­ne­te Aus­bil­de­rin. Aus ihrer Schu­le gin­gen meh­re­re Deut­sche Meis­ter, Olym­pia­teil­neh­mer und in­ter­na­tio­nal er­folg­rei­che Fech­ter her­vor. Sie war für die Fech­t­ab­tei­lung des ETUF ein aus­ge­spro­che­ner Glücks­griff, zumal sie es auch ver­stand, mit den Übungs­lei­tern und dem be­son­ders kri­ti­schen Emil Leon­hard ein aus­ge­zeich­ne­tes Ver­hält­nis auf der Basis ver­trau­ens­vol­ler Zu­sam­men­ar­beit zu schaf­fen. Ob Leis­tungs­fech­ter oder An­fän­ger, alle haben ihr viel zu ver­dan­ken. Unter dem 1956 ge­wähl­ten Vor­stand Kreutz­ber­ger, Fecht­wart v.d.Lin­den, Schrift­wart Leon­hard, Frau­en­war­tin Frau Genge und Ju­gend­wart Mat­t­hies, wurde die leb­haf­te­Tur­nier­tä­tig­keit fort­ge­führt.

Dank der vor dem Krieg an­läß­lich eines Lehr­gangs auf dem Reichs­sport­feld in Ber­lin be­gon­ne­nen Freund­schaft mit sei­nem Lin­zer Sport­freund Rudi Baum­gart­lin­ger wurde unter Lei­tung von Karl Mat­t­hies mit zwei Ju­gend­mann­schaf­ten 1956 eine Wett­kampf­rei­se durch Ös­ter­reich un­ter­nom­men.

An ihr nah­men teil Elke Strell, Lie­se­lot­te Wit­zel, Ruth Wohl­ge­muth und Inge Bre­der. Fer­ner Willi Schulz, Klaus He­cker, Die­ter Wag­ner und Willi Loewe­nich. Die Reise mit Wett­kämp­fen in Salz­burg, Linz, Vöck­ler­bruch-Lenzing und Wien (gegen FC Werd­nick, Wie­ner Fecht­klub und Wie­ner Sport­klub) wurde zu einem nach­hal­ti­gen Er­leb­nis. Auch die Teil­nah­me am Bäder-Tur­nier in Ros­tock 1957 mit Ellen Stän­der, Karl­heinz Krieb, Rai­ner Stein­forth, Heinz Klop­pert und Karl Mat­t­hies sowie eine wei­te­re Wett­kampf­rei­se mit zwei Ju­gend­mann­schaf­ten durch die DDR waren her­aus­ra­gen­de Er­eig­nis­se. Auf die­ser Reise mit Wett­kämp­fen in Ost-Ber­lin, Greifs­wald, Kö­then und Dres­den wurde der Grund­stein für zahl­rei­che Be­su­che in den kom­men­den Jah­ren ge­legt. Es nah­men teil Elke Strell, Mo­ni­ka Sutt­hoff, Jutta Schil­bach und Ul­ri­ke Nier­mann, fer­ner Horst Je­ru­sa­lem, Karl­heinz Pfef­fer, Bern­hard Lee­s­meis­ter und Paul Vo­land. Letz­te­rer wurde bei Lan­des-Ju­nio­ren­meis­ter­schaf­ten Zwei­ter; (ein hoff­nungs­vol­ler Nach­fol­ger für Man­fred Wulf?)

Ge­gen­be­su­che der 13 Mann star­ken Mann­schaft aus Kö­then, die in Pri­vat­quar­tie­ren un­ter­ge­bracht war und Wett­kämp­fe gegen den ETUF, aber auch Wer­den, Bonn, Düs­sel­dorf und beim "So­lin­ger Schwert" be­stritt sowie "Ost-Ber­lin" und "Ein­heit Dres­den" folg­ten.

Die Fech­t­ab­tei­lung wird zur Fech­trie­ge im ETUF

was an den ge­steck­ten Zie­len des ei­ge­nen Fecht­saals und des stän­dig zur Ver­fü­gung ste­hen­den Meis­ters nichts än­dert. Hans von der Lin­den in sei­nem Be­richt über den Klub­kampf in Ko­blenz gegen "Tus Rei":

Hier in Ko­blenz hat sich nun auch wie­der ge­zeigt, von welch gro­ßem Vor­teil es ist, wenn man fünf­mal in der Woche trai­nie­ren kann und je­des­mal einen Meis­ter zur Ver­fü­gung hat. Je­doch von die­sen idea­len Mög­lich­kei­ten kön­nen wir nur erst ein­mal träu­men

Glanz­vol­ler Hö­he­punkt für den ETUF war 1959 der Ju­bi­lä­ums­ball zum 75jäh­ri­gen Be­ste­hen unter der Schirm­herr­schaft von Al­fred Krupp von Boh­len und Hal­bach auf Villa Hügel. In der Chro­nik zur Ein­la­dung war zwar der Bei­tritt des Sport­fecht­ver­eins "Waf­fen­brü­der­schaft Essen e. V. " , sonst aber kein fecht­sport­li­ches Er­eig­nis er­wäh­nens­wert.

Die fol­gen­den Jahre waren ge­prägt von den Er­fol­gen durch Wulf, Rabe, Mat­t­hies, die sich in der Lan­des­son­der­klas­se hiel­ten, doch zeig­te ein Auf­ruf von Fritz Neut­zer an die Ju­gend, wo der Schuh drück­te. Es fehl­te der letz­te Ein­satz, der Wille , mehr zu leis­ten. El­tern­aben­de im Klub­haus waren ge­sell­schaft­li­che Er­eig­nis­se. Die Da­men­mann­schaft (Chris­tel Hönig, Irm­traut Sta­che­witz, Mar­g­ret Ei­kel­kamp und Lie­se­lot­te Wit­zel) sowie die Her­ren­mann­schaft (Rein­hold Schnei­der, Man­fred­Wulf, Horst Rabe und Die­ter Schmitz) nah­men an den Lan­des­meis­ter­schaf­ten teil. Die Her­ren wur­den 4. , Sieg­fried Je­ru­sa­lem (heute ein welt­be­rühm­ter Tenor) wurde bei den Lan­des­ju­nio­ren­meis­ter­schaf­ten im Degen 5. und qua­li­fi­zier­te sich für die Deut­schen Ju­nio­ren­meis­ter­schaf­ten.

Emil Leon­hard gab nach wie vor seine Be­rich­te und kri­ti­schen Stel­lung­nah­men, er wurde vom DFB in das Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee der Ju­nio­ren-Welt­meis­ter­schaf­ten in Duis­burg be­ru­fen. Immer wie­der wurde die Klage laut, daß hoff­nungs­vol­le Nach­wuchs­fech­ter den ETUF ver­las­sen wegen aus­wär­ti­gem Stu­di­ums, Weg­zug durch be­ruf­li­che Ver­än­de­run­gen, oder sie war­fen den Fecht­sack in die Ecke. Man soll­te dabei aber nicht ver­ges­sen, daß auch aus­ge­bil­de­te Fech­ter zum ETUF kamen und eine er­heb­li­che Ver­stär­kung be­deu­te­te­ten. Hier seien vor allem Karl­heinz Krieb, Die­ter Hecke, Hans Hel­mut Kas­sing, Wal­de­mar Seu­bert, Ra­de­ma­cher, Rai­ner Sei­fert und das über­haupt er­folg­reichs­te Mit­glied ge­nannt:

Percy Bo­rucki

Bei den Deut­schen Meis­ter­schaf­ten 1966 in Bad Dürk­heim star­te­te Percy Bo­rucki zum ers­ten Mal für die Fech­trie­ge des ETUF.

Emil Leon­hard in sei­nem Be­richt über die Deut­schen Meis­ter­schaf­ten:

... und nun zum Säbel! Der neue Deut­sche Meis­ter heißt Wisch­eidt (Dor­ma­gen), der den Ti­tel­ver­tei­di­ger Theu­er­kauff (Bonn) etwas über­ra­schend auf den zwei­ten Platz ver­wei­sen konn­te. Herr Percy Bo­rucki be­leg­te, erst­mals für den ETUF star­tend, den 5. Platz. Ich glau­be, wir sind ein zu ver­nünf­ti­ger Ver­ein, um uns mit Er­fol­gen eines neuen Mit­glieds zu schmü­cken, zu des­sen fech­te­ri­scher Kar­rie­re wir bis­her nicht das ge­rings­te bei­ge­tra­gen haben. Aber warum soll­ten auch wir nicht ein­mal das Glück haben, daß ein kom­plet­ter, star­ker und über­aus er­fah­re­nen Fech­ter zu uns stößt! Meis­tens war es doch um­ge­kehrt: viel Mühe wurde auf die Aus­bil­dung jun­ger Leute ver­wandt, die uns dann ver­lie­ßen, etwa um an­der­wärts zu stu­die­ren ... u Percy Bo­rucki, geb. 22. 7. 1929, Dipl. Bau­in­ge­nieur, kam 1959 als deutsch­stäm­mi­ger Rück­wan­de­rer aus Polen, wo er zeit­wei­lig zur pol­ni­schen B-Na­tio­nal­mann­schaft ge­hör­te. Zu­erst Mit­glied beim DFC Düs­sel­dorf, dann Tus Rei Ko­blenz, stieß er schnell in die Spit­ze der deut­schen Sä­bel­fech­ter vor. Beim in­ter­na­tio­na­len Sä­bel­tur­nier "Wap­pen von Ham­burg" war er immer vorne mit dabei, 1960 und 1962 wurde er 1., wei­te­re Sie­ger waren Resch (Ös­ter­reich), Heyda­nigh (NL), Zablon­ski (Polen), Pia­tow­sky (Polen). Sei­nen größ­ten in­ter­na­tio­na­len Er­folg er­reich­te er beim Corb­le-Cup in Lon­don. 1962 be­reits 2. hin­ter Le­ckie (GB) konn­te mit ihm 1964 zum ers­ten Mal (seit 1947) ein Deut­scher den Cup ge­win­nen (vor Le­ckie und Old­corn, 4. Theu­er­kauff). 1965 und 1966 konn­te er den Er­folg wie­der­ho­len und den Cup end­gül­tig auf's Fest­land mit­neh­men.

Lon­don, Juni 1966

Zum ers­ten mal saß ich in einem Flug­zeug, mit dem Rü­cken dem Ziel ent­ge­gen. Es war die Tri­dent der BEA, eine drei­strah­li­ge Flug­ma­schi­ne, dich mich in 55 Mi­nu­ten von Düs­sel­dorf nach Lon­don brin­gen soll­te. In der glei­chen Zeit käme ich mit einem Fahr­zeug nicht wei­ter als nach Bonn. Die Auf­re­gung der letz­ten Mi­nu­ten und letz­ten Stun­den schien vor­über zu sein. Eine neue Ein­rich­tung auf dem Flug­platz brach­te mei­nen Se­kun­den­fahr­plan durch­ein­an­der. Neu­er­dings muß man auf allen deut­schen Flug­hä­fen eine Flug­platz­ge­bühr ent­rich­ten, die an­ge­sichts des be­gin­nen­den Rei­se­ver­kehrs zu einer ech­ten Hürde führ­te. Die da­durch ent­stan­de­ne Ver­zö­ge­rung von 5 Mi­nu­ten war in mei­nem Plan nicht ein­kal­ku­liert; aber ich schaff­te es trotz­dem, mit dem Glück, neben einem äl­te­ren Herrn zu sit­zen, der, wie er mir er­zähl­te, nach Dub­lin flog, um seine eng­li­schen Sprach­kennt­nis­se, die er mit 70 Jah­ren er­wor­ben hat "an den Mann" zu brin­gen. Es war ein lie­bens­wür­di­ger äl­te­rer Herr, der wohl nur vor lau­ter Auf­re­gung sei­nen Kaf­fee auf mein Ho­sen­bein aus­schüt­te­te. Das Wet­ter war wun­der­voll; der Him­mel war wol­ken­los, und so kam ich zu dem Ver­gnü­gen, Brüs­sel aus der Luft zu sehen. Etwas spä­ter konn­te ich auch die Tower Bridge er­ken­nen.

Auf dem Lon­do­ner Flug­platz er­war­te­te mich be­reits Le­ckie, Ka­pi­tän der eng­li­schen Na­tio­nal­mann­schaft.

Die De-Beau­mont-Halle liegt auf der Stre­cke der neuen M4, und so waren wir nach 25 Mi­nu­ten an Ort und Stel­le. Die Vor­run­den soll­ten um 14 Uhr be­gin­nen. Es war Sams­tag, der 4. Juni, und der Corb­le-Cup soll­te zum zwan­zigs­ten Male er­kämpft wer­den.

1962 war ich sehr nahe dran, ich be­leg­te hin­ter Le­ckie den 2. Platz. W. Köst­ner hatte da­mals einen schwa­chen Tag, er kam nur bis zur Vor­end­run­de. Im Vor­jahr ge­lang es mir doch, diese wert­vol­le Tro­phäe zu ge­win­nen. Da­mals war Le­ckie Zwei­ter, und J. Theu­er­kauff be­leg­te den 3. Platz. Wie wird es in die­sem Jahr? Ich fuhr al­lei­ne nach Lon­don. Weder Be­treu­er noch Fech­ter sind mit­ge­kom­men. Na­tür­lich bin ich kein Säug­ling mehr; aber man möch­te doch je­man­den um sich haben.

Die Vor­run­de über­stand ich sehr gut; ich stieg als ers­ter auf.

Die Eng­län­der baten mich, den an­schlie­ßen­den Mann­schafts­kampf, Lon­don - Padua, zu füh­ren. Ich glau­be, ich habe meine Sache gut ge­macht; denn so­wohl die Eng­län­der wie auch die Ita­lie­ner haben mir sehr herz­lich ge­dankt. Kein Wun­der, es stand 8 : 8, 61 : 61! Als ge­wis­se An­er­ken­nung bekam ich einen elek­tri­schen Bat­te­rie-Ra­sie­rer. Mit Ja­gu­ar, Marke X, ging es an­schlie­ßend zum Din­ner.

Nach dem vor­züg­li­chen Essen habe ich mir noch einen kur­zen Rund­gang durch Soho er­laubt. Der Sonn­tag hat schon be­gon­nen.

Um 9 Uhr mor­gens wur­den wir - Ita­lie­ner und ich - in un­se­rem Ma­ri­ne-Club ab­ge­holt. Etwas schläf­rig über­stand ich auch die Zwi­schen­run­de. Wie­der war ich Sie­ger in mei­ner Runde. An­schlie­ßend be­gann der Ernst des Le­bens - die Di­rekt­aus­schei­dung. Mei­nen ers­ten Geg­ner, ehe­ma­li­ger Cup­ge­win­ner, be­sieg­te ich 5 : 4 und 5 : 2. Nun soll­te ich meine Kräf­te mit F. Lu­x­ar­do mes­sen. Den Links­hän­der schlug ich 5 : 2, 5 : 1. Sel­ten habe ich so kon­zen­triert ge­foch­ten wie in die­sem Ge­fecht. Der Bei­fall der Zu­schau­er sagte mir, daß es auch ein schö­nes Ge­fecht war. Ich war also im Fi­na­le. Außer mir drei Eng­län­der, zwei Ita­lie­ner (auch Lu­x­ar­do, der über den Hoff­nungs­lauf auf­stieg). Im Fi­na­le habe ich von fünf Ge­fech­ten fünf Siege er­run­gen. Noch nie habe ich so oft an­ge­grif­fen wie dort, und dann auch di­rekt. Meine Kon­zen­tra­ti­on hat mich nicht ver­las­sen. Es wäre zu­viel des Guten, woll­te ich tech­ni­sche De­tails be­schrei­ben; aber es stimmt einen doch fröh­lich, wenn man außer dem Sieg auch noch das Ge­fühl hat, daß man gut ge­foch­ten hat.

Der Prä­si­dent des eng­li­schen A.F.A. über­reich­te mir den sehr schö­nen Pokal und fügte schmun­zelnd hinzu, daß, wenn es so wei­ter­gin­ge, er den Corb­le-in Percy-Cup um­be­nen­nen müßte.

So weit Percy Bo­rucki in den ETUF-Nach­rich­ten.

Wei­te­re Er­fol­ge auf na­tio­na­len Tur­nie­ren, z.B. beim "So­lin­ger Schwert" 1962 und 1963 Ers­ter (Horst Rabe 3. bzw. 4.) beim "Mün­che­ner Schwert", "Mar­ti­ni" in Brüs­sel, nicht zu ver­ges­sen mit der ETUF-Mann­schaft beim "Fri­de­ri­cus Bar­ba­ros­sa". Bei den 3. Deut­schen Meis­ter­schaf­ten fast immer in der End­run­de (1961 und 1962 Deut­scher Meis­ter), auch mit der Mann­schaft 1962, 1963 und 1965 Meis­ter mit Ko­blenz schlu­gen sich diese Er­geb­nis­se in der w Deut­schen Rang­lis­te und Olym­pi­schen Rang­ord­nung nie­der. Dies führ­te zu zahl­rei­chen Be­ru­fun­gen in die Na­tio­nal­mann­schaft bei Län­der­kämp­fen gegen Groß­bri­tan­ni­en, Polen 1963 in Bonn (B. bes­ter Deut­scher), Un­garn, Schweiz, Bul­ga­ri­en, Frank­reich usw. B. wurde zu den Welt­meis­ter­schaf­ten 1963 in Dan­zig no­mi­niert, er­hielt aber kein Ein­rei­se­vi­sum. 1964 nahm er nach den vor­her­ge­gan­ge­nen Ost-West-Aus­schei­dun­gen an den Olym­pi­schen Spie­len in Tokio teil, wo die Mann­schaft Käst­ner, Al­li­sat, Well­mann und Theu­er­kauff 6. wurde. B. konn­te nicht zei­gen, was mög­lich war. In sei­nem ers­ten Ge­fecht brach er sich bei einem har­ten Zu­sam­men­prall mit den Glo­cken den rech­ten Dau­men und mußte den wei­te­ren Din­gen in Gips zu­schau­en. 1965 nahm er an den Welt­meis­ter­schaf­ten in Paris teil und wurde mit Jür­gen­Theu­er­kauff und Meis­ter Somos in den Fecht­aus­schuß Säbel des DFB be­ru­fen.

Percy Bo­rucki wurde in der 1966er Rang­lis­te 4., 1967 und 1968 sogar 3. Aber die Sä­bel­fech­ter wur­den wegen zu ge­rin­ger Aus­sich­ten auf die Welt­meis­ter­schaf­ten 1966 in Mos­kau nicht ge­mel­det; als Fach­wart stell­te Bo­rucki je­doch die Mann­schaf­ten für Län­der­kämp­fe auf und war dabei auch als Ob­mann tätig. 1967 bei den Deut­schen Meis­ter­schaf­ten Zwei­ter, nahm er an den Welt­meis­ter­schaf­ten in Mon­tre­al teil, wo die Mann­schaft wie­der­um den 6. Platz er­reich­te. Bei den olym­pi­schen Spie­len 1968 in Me­xi­ko wurde Bo­rucki bei den Mann­schafts­wett­be­wer­ben ein­ge­setzt. Zwar 1969 noch "Chef d'e­qui­pe" bei Län­der­kämp­fen, ent­stan­den wegen des schlech­ten Ab­schnei­dens der Sä­bel­fech­ter in Me­xi­ko Aus­ein­an­der­set­zun­gen; es be­gann die große Zeit von Emil Beck und im ETUF die Ära Sei­fert. In die­ser Zeit konn­te 1966 Fecht­meis­ter Schiet­te­cat­te ge­won­nen wer­den, nach­dem die so er­folg­rei­che Fecht­meis­te­rin Lilo Gras­ses einer heim­tü­cki­schen Krank­heit er­le­gen war. Ihr zu Ehren ver­an­stal­te­te die Fech­trie­ge ein Ge­dächt­nis­tur­nier im Degen, das von ihrem er­folg­rei­chen Schü­ler Zim­mer­mann (DFC Düs­sel­dorf) ge­won­nen wurde.

Nach Fechtm. Schiet­te­cat­te hielt sich auch Fechtm. R. Ma­zu­ir nur ein Jahr.

Mit Jupp Ba­naszek (1967) und Wer­ner B. Kreutz­ber­ger (1968) ver­lo­ren der Es­se­ner Fecht­sport bzw. der ETUF zwei sei­ner her­vor­ra­gen­den Per­sön­lich­kei­ten durch den Tod. Die Er­fol­ge von Wulf und Rabe, der Sä­bel­mann­schaft (Bo­rucki, Rabe, Kreutz­ber­ger und Mat­t­hies) beim Fri­de­ri­cus Bar­ba­ros­sa-Wan­der­preis, der Flo­rett­mann­schaft (Wulf, Kas­sing, Beth­mann, Groß­kreutz) bei den Lan­des­meis­ter­schaf­ten täusch­ten nicht über eine Sta­gna­ti­on in der Ju­gend­ar­beit und der Auf­fas­sung über den Leis­tungs­sport hin­weg, wie der Ar­ti­kel

Ge­dan­ken eines Funk­tio­närs

in den Klub­nach­ri­chen nach­zu­wei­sen ver­sucht.

Ins Un­rei­ne ge­schrie­ben:

Nicht nur der Klub­kampf gegen Soest, auch das ge­müt­li­che Bei­sam­men­sein da­nach ließ mir be­son­ders deut­lich wer­den, woran es bei uns in der Fech­trie­ge man­gelt. Schlicht ge­sagt - und ich bitte schon zu Be­ginn mei­nes ins Un­rei­ne ge­schrie­be­nen Ar­beits­dos­siers um ge­fäl­li­ge und weit­ge­hen­de Nach­sicht -: es feh­len bei uns vier Fech­ter­ge­ne­ra­tio­nen, die die Brü­cke zwi­schen den Jun­gen und den Äl­te­ren schla­gen könn­ten. Die Mi­se­re des feh­len­den Nach­wuch­ses steht schon seit lan­gem an der Spit­ze aller Er­ör­te­run­gen. Unter einer Fech­ter­ge­ne­ra­ti­on ver­ste­he ich einen Zeit­raum von etwa vier Jah­ren, der un­be­dingt be­nö­tigt wird, um aus einem be­geis­ter­ten An­fän­ger und Schü­ler des Sport­fech­tens einen Wett­kämp­fer etwa der Klas­se I her­an­zu­bil­den. Zu die­sem Zeit­punkt ent­schei­det sich üb­li­cher­wei­se, ob ei­ni­ge dazu be­ru­fen sind, aus der Masse her­aus zur Spit­ze vor­zu­drin­gen, so­fern sie prä­des­ti­niert und be­reit sind, hart an sich zu ar­bei­ten, oder ob sie die Liebe und Be­geis­te­rung beim Sport­fech­ten bzw. in der ge­wähl­ten Ge­mein­schaft ge­fun­den haben, wei­ter­hin Sport zu trei­ben. Schließ­lich wird sich die zwei­te Grup­pe noch in sol­che tei­len, die Sport (d. h. ernst be­trie­be­nes Spiel) be­trei­ben, und jene, die sich nur be­tä­ti­gen wol­len. Wenn ich mir die 1. Mann­schaf­ten un­se­rer Riege und das Durch­schnitts­al­ter be­trach­te, muß ich schon sagen: .Alle Ach­tung!" Es muß etwas daran sein, daß Sport jung er­hält und daß man auch heute noch in etwas hö­he­rem Alter den Mut hat, auf die Fecht­bahn zu tre­ten, und den Wil­len, etwas Au­ßer­ge­wöhn­li­ches zu leis­ten. Der Sinn und das Ziel von Lei­bes­übun­gen wer­den hier deut­lich. Je­doch, es feh­len uns ei­ni­ge Fech­ter­ge­ne­ra­tio­nen. Sie feh­len so­wohl aus der Zeit nach dem Krie­ge, als die Ju­gend wie­der etwas leis­ten und sich selbst wohl auch be­wei­sen woll­te, wie auch aus der jün­ge­ren Zeit, als die Be­stre­bun­gen stär­ker wur­den, zwar etwas Lei­bes­übun­gen zu be­trei­ben, sich etwas zu be­we­gen, aber den Leis­tungs­sport we­ni­gen an­de­ren, auch Halb- oder Voll­pro­fis, zu über­las­sen.

Ich hatte kürz­lich in un­se­rem Kreis die Mei­nung ge­äu­ßert, das, was wir bei uns be­trei­ben, sei doch wohl kein Leis­tungs­sport, son­dern nur eben Sport. Ganz ein­fach Sport im Sinne ernst be­trie­be­nen Spiels. Si­cher, das be­deu­tet auch schon etwas. Es be­deu­tet den Wil­len zu Lei­bes­übun­gen, zur Be­we­gung, ja sich sogar im Wett­kampf zu mes­sen, also eine ge­wis­se Leis­tung zu er­brin­gen. Es be­deu­tet mei­ner An­sicht nach aber nicht Leis­tuns­sport. Mir wurde diese Mei­nung als ziem­lich ket­ze­risch hin­ge­stellt; im­mer­hin hät­ten wir frü­her man­che Gau- und in jüngs­ter Zeit Lan­des­meis­ter ge­stellt, und was wir be­trie­ben hät­ten, wäre Leis­tungs­sport.

Ich meine, die Sport­ler, die die oben­er­wähn­ten Leis­tun­gen er­brach­ten, waren sehr ver­an­lagt; sie haben das üb­li­che Trai­ning an zwei Aben­den in der Woche durch­ge­führt und sind viel­leicht ein­mal in der Woche noch zum Schwim­men ge­gan­gen. Ist das aber Leis­tungs­sport? Haben sie etwas getan, um ihre Mus­kel- oder Or­gankräf­te zu stei­gern? Haben sie etwas getan, um man­geln­de Ei­gen­schaf­ten ziel­be­wußt zü er­ar­bei­ten? Etwa die Kon­di­ti­on zu er­hö­hen, den Kreis­lauf zu stär­ken, Kraft und Schnel­lig­keit zu stei­gern o.ä.?

Nun, diese Ge­dan­ken­gän­ge gehen schon zu weit, je­den­falls zur Zeit noch. Das Pro­blem, das vor der Tür steht heißt: Zu­erst Nach­wuchs her­an­bil­den, noch­mals Nach­wuchs und wie­der Nach­wuchs her­an­ho­len. Das Pro­blem zeigt sich nicht im Alter, denn un­se­re Mann­schaf­ten, z.B. im Säbel oder Degen mit einem Durch­schnitts­al­ter von etwa 45 Jah­ren, haben Er­staun­li­ches ge­leis­tet. Aber ich frage mic : Wie lange noch? Das Al­ter­s­pro­blem zeigt sich noch mehr­fach auf an­de­re Weise. Wir nä­hern uns so lang­sam oder sind schon in einem Alter, in dem Fa­mi­lie und Beruf vor­ge­hen; der Sport hat an eine zwei­te oder gar drit­te Stel­le zu tre­ten.

Gute Kräf­te haben ihren guten Wil­len be­wie­sen und sind unter per­sön­li­chen Op­fern pünkt­lich zum Wett­kampf gegen Soest da­ge­we­sen, muß­ten aber, bevor die Wett­kämp­fe nach mehr­stün­di­ger Ver­spä­tung der Soes­ter Fech­ter be­gin­nen konn­ten, wie­der weg. Ei­ni­ge hat­ten an­de­re per­sön­li­che Grün­de, wie Fa­mi­li­en­fei­ern und -er­eig­nis­se oder be­ruf­li­che Ve­pflich­tun­gen, die sie an der Teil­nah­me am Wett­kampf hin­der­ten. Auch man­geln­de Kon­di­ti­on nach über­stan­de­ner Krank­heit und an­de­re Grün­de führ­ten zu Ab­sa­gen. Ich wie­der­ho­le noch ein­mal, daß ich diese Zei­len unter dem un­mit­tel­ba­ren Ein­druck des Klub­kamp­fes gegen Soest schrei­be. Ich könn­te noch weit mehr Ein­zel­hei­ten auf­zäh­len, finde aber, daß die ge­schil­der­ten ge­nü­gen, um deut­lich zu ma­chen, was ich meine noch weit mehr Ein­zel­hei­ten auf­zäh­len, finde aber, daß die ge­schil­der­ten ge­nü­gen, um deut­lich zu ma­chen, was ich meine.

Noch ein drit­tes. Der Vor­stand hatte alle Mit­glie­der - ak­ti­ve und in­ak­ti­ve - zu dem Wett­kampf und einem an­schlie­ßen­den ge­müt­li­chen Bei­sam­men­sein mit den Soes­ter Fech­tern ein­ge­la­den. Aber die Soes­ter waren we­sent­lich zahl­rei­cher ver­tre­ten als wir. Sie ver­stärk­ten un­se­re "Mann­schaft" sogar bei den Ge­sell­schafts­spie­len, und auch hier war deut­lich das Feh­len von Fech­ter­ge­ne­ra­tio­nen zu be­mer­ken.

Ist es nun Des­in­ter­es­se, man­geln­de Zeit? Sind es an­de­re Ver­pflich­tun­gen, die un­se­re Mit­glie­der ab­hal­ten? Ob die Aus­wer­tung der Fra­ge­bö­gen, die der Vor­stand her­aus­ge­schickt hat, Ant­wort gibt? Ich will mich jetzt noch nicht fest­le­gen, son­dern ab­war­ten.

Und was ergab der sport­li­che Teil? Soest konn­te wie wir le­dig­lich drei Damen stel­len und sieg­te mit der Mann­schaft Ka­pu­ne, Glo­cke und Be­cker 7 : 2 gegen un­se­re Ver­tre­te­rin­nen Schu­mann (zwei Siege), Dag­mar Ru­dolph und Balz. Frl. Schu­ma­cher ver­lor gegen Frl. Be­cker (Beste mit drei Sie­gen, vier er­hal­te­ne Tref­fer) 3 : 4 und ge­wann gegen Ka­pu­ne mit 4 : 3. . Flo­rett war frü­her un­se­re Stär­ke. Das Feh­len von Man­fed Wulf war für die 3 : 13-Nie­der­la­ge nicht al­lein aus­schlag­ge­bend, denn selbst wenn er seine vier Ge­fech­te ge­won­nen hätte, wäre der End­stand immer noch 9 : 7 für Soest ge­we­sen. Soest hatte sich durch Zeh (Duis­burg) ver­stärkt, der in der Nähe von Soest sei­ner Wehr­pflicht ge­nügt.

Au­ßer­dem star­te­te in der Soes­ter Mann­schaft Fecht­meis­ter Veil­le. Er wurde von Beth­mann mit 5 : 0 über­fah­ren und ge­wann gegen Groß­kreutz nur knapp mit 5 : 4. Zur Flo­rett­mann­schaft der Gäste ge­hör­ten außer den Er­wähn­ten noch We­sen­dahl-und Bothe; un­se­re wei­te­ren Mann­schafts­mit­glie­der waren Kas­sing und Kukuk.

Schließ­lich bleibt noch über das Sä­bel­fech­ten zu be­rich­ten. Un­se­re Mann­schaft Kreuz­ber­ger, v.d. Lin­den, Ra­de­ma­cher und G. Ru­dolph ge­wann mit 10: 6 Sie­gen über Pe­ters, Gepp, Veil­lé und We­sen­dahl, wobei das Tref­fer­ver­hält­nis mit 48 : 62 er­hal­te­ne Tref­fer doch sehr deut­lich das Stär­ke­ver­hält­nis wie­der­gibt. Wenn man be­denkt, daß Bo­rucki fehl­te und Rabe le­dig­lich als Ob­mann mit­ma­chen konn­te, so dürf­ten wir in die­ser Waffe keine gro­ßen Sor­gen haben. - Wenn, ja wenn das Durch­schnitts­al­ter (s. vor­her) nicht wäre.

Bleibt noch zu er­wäh­nen, daß Ra­de­ma­cher mit vier Sie­gen Bes­ter war vor Kreutz­ber­ger, v.d. Lin­den und Veil­lé mit je drei Sie­gen. Als Ama­teu­re konn­ten wir für An­sich­ten des Fech­ters Veil­lé we­sent­lich we­ni­ger Ver­ständ­nis auf­brin­gen als für die des "mait­re" Veil­lé.

Das fech­te­ri­sche Fazit kann wohl so zu­sam­men­ge­faßt wer­den: Wir haben mit einem be­freun­de­ten Klub die Klin­gen ge­kreuzt, un­se­re Ak­ti­ven hat­ten Ge­le­gen­heit, sich wett­kampf­mä­ßig zu be­tä­ti­gen, und das an­schlie­ßen­de ge­müt­li­che Bei­sam­men­sein könn­te der Auf­takt zu etwas grö­ße­rer Ak­ti­vi­tät sein.

Emil Leon­hard wurde in den Or­ga­ni­sa­ti­ons­aus­schuß zur Durch­füh­rung des Olym­pi­schen Fecht­tur­niers bei den XX. Olym­pi­schen Spie­len in Mün­chen be­ru­fen. Seine Be­trach­tun­gen, Auf­ru­fe und Er­läu­te­run­gen in den Klub­nach­rich­ten wären einer ge­son­der­ter Zu­sam­men­stel­lung wür­dig. Als Bei­spiel möge sein Bei­trag

Stumpf­sinn — nicht ganz zu ver­mei­den

die­nen:

 

Feh­ler in Arm und Hand, die auf über­mä­ßi­gem Mus­kel­ein­satz be­ru­hen, kön­nen bei sinn­vol­ler Wei­ter­schu­lung aus­ge­merzt wer­den; die Beine aber, ein­mal ge­walt­sam in eine fal­sche Form ge­zwängt, haben für immer den größ­ten Teil ihrer Wirk­sam­keit ver­lo­ren.

(Vi­ge­ant)

Dies Wort eines be­deu­ten­den fran­zö­si­schen Fech­t­au­tors soll­te jeder be­her­zi­gen, der sich mit der Nach­wuchs­aus­bil­dung be­faßt. Wer sich in dem ver­ständ­li­chen Be­stre­ben, dem jun­gen Fecht­be­flis­se­nen die Lek­ti­on at­trak­ti­ver zu ge­stal­ten, über we­sent­li­che Män­gel, Hal­tung und Bein­ar­beit hin­weg­setzt, rich­tet kaum wie­der­gut­zu­ma­chen­den Scha­den an.

Hal­tung und Bein­ar­beit des Fech­ters sind nun ein­mal nichts Na­tur­ge­ge­be­nes wie Lau­fen und Sprin­gen. Sie sind von den sehr spe­zi­el­len Ge­ge­ben­hei­ten des Zwei­kamp­fes mit der Waffe dik­tiert; die­ser er­for­dert eine Kör­per­hal­tung, die die kleinst­mög­li­che Tref­flä­che bie­tet und gleich­zei­tig die größt­mög­li­che Be­weg­lich­keit in An­griff und Ver­tei­di­gung ge­stat­tet.

Kein Wun­der, daß die Bein­ar­beit den An­fän­gern fast immer Schwie­rig­kei­ten be­rei­tet. Jun­gen oder Mäd­chen, die, nach den Bei­nen zu ur­tei­len, zum Fech­ten ge­bo­ren zu sein schei­nen, sind sel­ten. Bei aller Freu­de über einen sol­chen Schü­ler, der sich bald kor­rekt und leicht über die Bahn be­wegt, wird der gute Leh­rer die Ge­fah­ren nicht ver­ges­sen, die ge­ra­de die­sen "Bein­ta­len­ten" dro­hen. Oft bleibt näm­lich die Spit­zen­füh­rung zu­rück, und dann wird die man­geln­de Ko­or­di­na­ti­on zwi­schen Waf­fen­füh­rung und Bein­ar­beit zu einem erns­ten Pro­blem. Ein Aus­bil­der, der sich ver­lei­ten läßt, einem auf den Bei­nen früh­zei­tig flot­ten Schü­ler zum Bei­spiel gleich eine Bal­le­s­tra bei­zu­brin­gen, be­weist nur seine Un­er­fah­ren­heit.

Aber diese Sor­gen sind ziem­lich sel­ten. Meist ist es um­ge­kehrt: die müh­se­li­ge und zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen stumpf­sin­ni­ge Ar­beit an Schrit­ten und Aus­fäl­len muß über lange Zeit fort­ge­setzt wer­den, will man nicht das Heer der Ak­ti­ven noch ver­meh­ren, die sich mit grund­le­gen­den Feh­lern im Be­we­gungs­ab­lauf über die Piste quä­len.

Statt vom Schü­ler an einem Abend hun­dert Aus­fäl­le zu ver­lan­gen, die er gar nicht rich­tig aus­zu­füh­ren ge­lernt hat, soll­te man lie­ber an­stre­ben, daß er drei rich­ti­ge voll­führt.

Die hier wie­der­ge­ge­be­ne Ab­bil­dung stammt aus dem" Traité d' Escri­me" des In­sti­tut Na­tio­nal des Sports in Paris.

Zu dem Bild ist noch zu be­mer­ken, daß die Spit­ze etwa bei der vor­letz­ten der dar­ge­stell­ten Be­we­gungs­pha­sen ihr Ziel er­reicht haben muß; alles wei­te­re, näm­lich das Auf­set­zen des Ab­sat­zes, das Her­un­ter­klap­pen der Fuß­soh­le und schließ­lich die Be­we­gung des Knies zur dar­ge­stell­ten End­stel­lung, er­folgt pas­siv-au­to­ma­tisch und ge­hört ei­gent­lich nicht mehr zur An­griffs­hand­lung.

Vor rein ex­er­zier­mä­ßi­gen Mas­sen-Bein­übun­gen ist zu war­nen. Sie haben nur einen Vor­teil: für den Leh­rer sind sie be­quem. Ein ,,Aus­füh­rungs­kom­man­do" darf es nicht geben, weil damit der Schü­ler nie lernt, seine Be­we­gung aktiv aus völ­li­ger Ruhe aus­zu­füh­ren; und ge­ra­de hier­auf kommt es an. In­di­vi­du­el­le Kor­rek­tu­ren sind un­er­läß­lich. Wenn ein Tur­nier­fech­ter sich schon in den Vor­run­den schreck­lich ab­ra­ckern muß, weil er sich zum Bei­spiel dau­ernd an sei­nen ei­ge­nen Aus­fäl­len hin­dert, dann er­tönt sehr schnell das Wort von der "man­geln­den Kon­di­ti­on". Die Frage, wie viel we­ni­ger Kon­di­ti­on wohl ein Fech­ter mit ein­wand­frei­er Bein­ar­beit be­nö­tigt (oder ver­braucht) und wie­viel fri­scher er ins Fi­na­le ge­lan­gen muß, soll hier nicht näher er­ör­tert wer­den; es wäre ein in­ter­es­san­tes Thema.

Apro­pos Stumpf­sinn! Wenn man daran denkt, wie der Leicht­ath­let immer wie­der die glei­che Be­we­gung übt und ver­fei­nert, um ein­mal ein paar Zen­ti­me­ter wei­ter zu wer­fen oder zu schleu­dern, dann er­scheint es schon we­ni­ger un­bil­lig, vom Fech­ter eine stän­di­ge Pfle­ge der Bein­ar­beit zu ver­lan­gen; er weiß ja, daß diese Ar­beit kein Selbst­zweck ist, son­dern nur die Basis bil­det für einen Sport von ge­ra­de­zu un­be­grenz­ter Viel­ge­stal­tig­keit und für das immer wie­der neue Er­leb­nis des Kamp­fes.

Der Vor­stand mit Gün­ter Ru­dolph, Ju­gend­wart Groß­kreutz, Fecht­wart Mat­t­hies, Schrift­wart Frl. Balz ver­sucht das Rie­gen­le­ben zu ak­ti­vie­ren. Trotz spar­sa­mer Kas­sen­füh­rung muß der Haupt­klub die Un­ter­de­ckung im Etat über­neh­men. Die Aus­ein­an­der­set­zung im Klub, ob ein neues oder um­ge­bau­tes Klub­haus die Grund­fra­ge klä­ren kann: "Hilft uns das bei der Ak­ti­vie­rung des Klub­le­bens wei­ter?" be­rühr­te die Fech­trie­ge in ihren Haupt­pro­ble­men. Die Be­grün­dung für einen Neu­bau war die Schaf­fung wei­te­rer Sport­mög­lich­kei­ten, vor allem für die Fech­trie­ge. Die FR ent­schloß sich ein­stim­mig für einen Anbau an das Ten­nis­haus und den Umbau des Klub­hau­ses zu Sport­stät­ten, ins­be­son­de­re einen Fecht­saal. Wir wis­sen heute, daß sich diese Hoff­nun­gen zer­schla­gen haben. Auch die gro­ßen Er­war­tun­gen an die Tä­tig­keit des Fecht­meis­ters B. Pel­le­gri­ni (1970 - 1974) er­füll­ten sich nicht.

Si­cher, ein leich­ter Auf­schwung war zu spü­ren. Nach Jah­ren star­te­te mit Claus Brink­mann, Ha­rald Genge, Ul­rich und Mi­cha­el Mat­t­hies (alles Leon­hard-Schü­ler) wie­der eine Flo­rett­mann­schaft bei den Lan­des­ju­nio­ren­meis­ter­schaf­ten. Sie wurde hin­ter Bonn und Zül­pich Drit­ter und von den Ver­ant­wort­li­chen des Rh. F. B. wegen ihres kor­rek­ten Auf­tre­tens und gute Fecht­wei­se ge­lobt. Claus Brink­mann, Ul­rich u. Mi­cha­el Mat­t­hies, Mar­cel v. Malsch sind be­zeich­nend für die gute Grund­aus­bil­dung; doch bis zur Spit­ze wird der Weg an­schei­nend immer län­ger. Hö­he­re Klub­zu­schüs­se zum Etat der FR wur­den zu­ge­sagt, aber durch die wei­te­ren Er­fol­ge von Tau­ber­bi­schofs­heim und die An­sich­ten von Emil Beck häu­fen sich die Aus­ein­an­der­set­zun­gen über den rich­ti­gen Weg im Fecht­sport. Emil Leon­hard ver­öf­fent­lich­te seine Mei­nung unter dem TItel

Macht des Schlag­worts

Ein "Leis­tungs­trai­ning" für zwölf­jäh­ri­ge Säbel-An­fän­ger stell­te kürz­lich der si­cher wohl­mei­nen­de Sport­re­dak­teur einer Ta­ges­zei­tung in Aus­sicht. Gleich­zei­tig such­te man für einen Fecht­klub in einer klei­ne­ren süd­deut­schen Stadt einen .Fecht­trai­ner zur In­ten­si­vie­rung des Leis­tungs­trai­nings". Sogar Of­fi­zi­el­le un­se­res Sports nei­gen neu­er­dings dazu, von " Trai­nern" zu spre­chen, wenn es um die Be­schaf­fung ge­eig­ne­ter Lehr­kräf­te geht. Der schö­ne alte Titel "Fecht­meis­ter" oder "Meis­ter" scheint aus der Mode zu kom­men. Das wäre nur be­dau­er­lich und nicht so schlimm, wenn die­ser neue Sprach­ge­brauch nicht bei Au­ßen­ste­hen­den, vor allem aber bei der Ju­gend, die wir für das Fech­ten ge­win­nen wol­len, ganz fal­sche Vor­stel­lun­gen vom Wer­de­gang eines Fech­ters er­we­cken könn­te.

Fech­ten will zu­nächst ein­mal er­lernt sein. Auch ein so ent­schie­de­ner Neue­rer und Feind des Tra­di­tio­na­lis­mus wie Edo­ar­do Man­gia­rot­ti be­tont in sei­nem Buche "La vera scher­ma", daß hier­zu eine lang­jäh­ri­ge ge­dul­di­ge Ar­beit er­for­der­lich ist; erst nach 5 bis 6 Jah­ren habe der junge Fech­ter das für be­deu­ten­de­re Er­fol­ge un­er­läß­li­che tech­ni­sche und tak­ti­sche Rüst­zeug er­wor­ben. Von "Trai­ning" ist in die­sem Zu­sam­men­hang nicht die Rede, und das mit gutem Grund; denn unter Trai­ning ver­steht man - im Ge­gen­satz zur lang­fris­ti­gen Aus­bil­dung - eine spe­zi­el­le, über mehr oder we­ni­ger lange, stets je­doch be­grenz­te Zeit­räu­me be­trie­be­ne Ak­ti­vi­tät mit dem Ziel, den Fech­ter für einen be­vor­ste­hen­den gro­ßen Wett­kampf in Hächst­form zu brin­gen. Fech­ter für enen be­vor­ste­hen­den gro­ßen Wett­kampf in Höchst­form zu brin­gen.

Dies Trai­ning setzt eine ge­die­ge­ne Aus­bil­dung vor­aus. Fehlt diese, dann kann auch der tüch­tigs­te Trai­ner nicht viel aus­rich­ten. Er mag den Trai­nings­teil­neh­mer noch so viel über die Plan­che jagen; grund­le­gen­de Feh­ler, die den Ak­tio­nen des Kämp­fers den größ­ten Teil ihrer Wir­kung neh­men, wird er damit nicht aus­mer­zen. Es kann nicht Auf­ga­be des Trai­ners sein, den Fech­ter in einem "Leis­tungs­zen­trum" um­zu­bie­gen, also sei­nen ein­mal er­wor­be­nen Au­to­ma­tis­mus zu kor­ri­gie­ren; bei einem so mü­he­vol­len und, wie man weiß, meist aus­sichts­lo­sen Un­ter­fan­gen würde er gar nicht mehr zum Trai­nie­ren kom­men.

Seine Aus­bil­dung er­hält der junge Fech­ter bei sei­nem Ver­ein, auf dem Fecht­saal, und er kann sich glück­lich schät­zen, wenn dort ein guter Fecht­meis­ter tätig ist. Auf den Fecht­sä­len der Klubs wird im all­ge­mei­nen nicht trai­niert. Es wird ge­lehrt und ge­lernt, das Ge­lern­te geübt und ge­fes­tigt und im freund­schaft­li­chen Frei­ge­fecht an­ge­wandt. Si­cher kön­nen auch hier ein­zel­ne aus­sichts­rei­che Fech­ter einer in­ten­si­ve­ren Schu­lung und Durch­ar­bei­tung un­ter­zo­gen wer­den, die schon an Trai­ning gren­zen. Den nor­ma­len Fecht­saal­be­trieb je­doch als" Trai­ning" zu be­zeich­nen, ist ir­re­füh­rend; es ist auch nicht un­be­denk­lich, weil z.B. be­sorg­te El­tern, die nichts von "Leis­tungs­sport" hal­ten, leicht an eine Über­for­de­rung den­ken.

Spre­chen wir also bes­ser von "Übungs­stun­den" und las­sen wir es beim "Fecht­meis­ter"! Wenn ein­zel­ne Meis­ter sich lie­ber "Trai­ner" nen­nen, dann kön­nen wir sie nicht daran hin­dern. Sie soll­ten aber we­nigs­tens dafür sor­gen, daß sich der "Er­folgs­trai­ner" (neu­lich in einer Zei­tung) nicht ein­bür­gert. Dies dem Jar­gon des Mas­sen­sports ent­lehn­te Wort klingt schlecht in den Ohren des Fech­ters, für den Be­schei­den­heit immer noch eine Tu­gend ist.

Die­ser Mei­nung von Leon­hard wird ent­ge­gen­ge­hal­ten: Trai­ning und lang­fris­ti­ge Aus­bil­dung schlie­ßen sich nicht aus. Zur Stei­ge­rung der Leis­tungs­fä­hig­keit ge­hö­ren Stei­ge­rung der Be­weg­lich eit (Kno­chen­ge­rüst, Bän­der, Seh­nen), der Aus­dau­er und Kon­di­ti­on (Kreis­lauf, Herz, Ge­fä­ße), der Kraft (Mus­ku­la­tur), der Be­we­gungs­ko­or­di­na­ti­on und Re­ak­ti­ons­fä­hig­keit (Ner­ven). In den Fecht­sä­len der Klubs soll­te das Trai­ning der kör­per­li­chen und geis­ti­gen Fä­hig­kei­ten (s.o.) par­al­lel mit der fech­te­ri­schen Aus­bil­dung be­trie­ben wer­den. Be­sorg­te El­tern, die nichts vom "Leis­tungs­sport" hal­ten, sol­len nicht be­kehrt wer­den, aber Fech­ten als me­di­zi­ni­sche Pro­phy­la­xe bzw. reine Kör­per- und Geis­tes­schu­lung ist wohl doch nicht Ziel eines Sport­ver­eins. Und "Er­folgs­trai­ner" , warum nicht? Die Ju­gend will an­ge­regt, be­geis­tert wer­den. Warum soll­te man die Aus­bil­der in Tau­ber­bi­schofs­heim, oder näher in Zül­pich, Cas­trop-Rau­xel und Gel­sen­kir­chen nicht so be­zeich­nen! Wir leben nun ein­mal in einer Ge­sell­schaft, die sich immer wei­ter ent­wi­ckelt, und schließ­lich auch den Er­folg sucht.

 

An­fang der 70er Jahre waren zwei Er­eig­nis­se we­sent­lich für die FR.

Der Bau der Mehr­zweck­hal­le

läßt wie­der die Hoff­nun­gen für einen ei­ge­nen Fecht­saal auf­kei­men, doch in­ner­halb des Klubs ent­brann­te er­neut eine Aus­ein­an­der­set­zung um Trai­nings­zei­ten der FR und um Über­tra­gung der Bei­trags­ho­heit, wie beim Über­tritt der ehern. "Waf­fen­brü­der­schaft" 1950 ver­ein­bart. Statt­des­sen mußte der Klub die FR wie­der be­zu­schus­sen; so ließ sich das Meis­ter­pro­blem nicht lösen.

Das Ehe­paar Sei­fert un­ter­nahm erste Schrit­te zur Nach­wuchs­ar­beit mit Kin­dern ab 6 Jah­ren und ver­öf­fent­lich­te "Ge­dan­ken über ein Trai­nings­sys­tem für das Sport­fech­ten im Ver­ein".

Die Zei­tun­gen mel­den: "Ermil Beck zieht in­Tau­ber­bi­schofs­heim deut­sche Fecht-Elite heran. Aus­bil­dung für Kin­der ab 6 Jah­ren". "Tref­fen um jeden Preis" - "Die Rus­sen ent­wi­ckel­ten den "ath­le­ti­se­hen Stil ... wir wol­len ver­voll­komm­nen und ganz und gar auf Zweck­mä­ßig­keit ab­stim­men. Zweck­mä­ßig­keit be­deu­tet ... Tref­fer set­zen um jeden Preis". "Auch, wenn diese Zweck­mä­ßig­keit auf Kos­ten von Har­mo­nie und Äs­the­tik der Be­we­gung geht". Diese ge­gen­sätz­li­chen bzw. neuen An­sich­ten führ­ten im DFB im gro­ßen und in der Fech­trie­ge im klei­nen zu Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten.

Na­tür­lich gab es fech­te­ri­sche Er­fol­ge. Die Flo­rett-Mann­schaft Sei­fert, Brink­mann, Groß­kreutz, Wulf und Genge wurde bei der Lan­des­meis­ter­schaft 1971 Zwei­ter; 1972 mit Mi­cha­el Mat­t­hies (an­statt Groß­kreutz) Drit­ter; Horst Rabe setz­te in Reut­lin­gen und Ham­burg seine Er­folgs­se­rie im Säbel fort und wurde 1969 Lan­des­meis­ter von Baden-Würt­tem­berg und 1972 bis 1976 so­wohl im Ein­zel wie mit der Mann­schaft Ham­bur­ger Lan­des­meis­ter im Säbel. 1972 nahm Horst Rabe in der Deut­schen Mann­schaft am Län­der­kampf gegen Is­ra­el teil. Gute Leis­tun­gen auch der Ju­nio­ren bei ver­schie­de­nen Schü­ler­tur­nie­ren, in der Es­se­ner Rang­lis­te lagen ETUF-Fech­ter vorne, doch der Durch­bruch zur Spit­ze woll­te nicht ge­lin­gen. Die Er­fol­ge bei den Deut­schen Se­nio­ren­meis­ter­schaf­ten in Bad Dürk­heim, so er­freu­lich sie ge­we­sen sein mögen, waren nicht Aus­druck des Leis­tungs­ver­mö­gens der Riege. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber seien der 1. Platz von Rai­ner Sei­fert im Flo­rett (1973) und der 3. Platz von Karl Mat­t­hies im Säbel (1974) er­wähnt. Die ge­misch­te Ju­nio­ren­mann­schaft Gi­se­la Trapp­mann, Claus Brink­mann, Mi­cha­el Mat­t­hies und Ha­rald Genge er­rang schö­ne Er­fol­ge.

Städ­te­kampf Essen — Prag (1973)

(Prag fast iden­tisch mit der Na­tio­nal­mann­schaft) in allen Waf­fen ist ein her­aus­ra­gen­des fech­te­ri­sches und ge­sell­schaft­li­ches Er­eig­nis, or­ga­ni­siert vom Spar­ten­lei­ter Hans v. d. Lin­den und vie­len Hel­fern. Aber um ei­ni­ger­ma­ßen Pa­ro­li zu bie­ten, muß­ten sich die Es­se­ner mit star­ken Fech­tern aus Düs­sel­dorf, Köln und Ko­blenz ver­stär­ken. Le­dig­lich 7 Es­se­ner, vom ETUF Gi­se­la Trapp­mann, Horst Rabe und Claus Brink­mann, stan­den beim 2: 2 in der Mann­schaft. Dies zeigt schon, wie schmal die wirk­li­che Spit­ze in der Fech­trie­ge war. Le­dig­lich Gi­se­la Trapp­mann und Ha­rald Genge fin­den wir bei den Lan­des­meis­ter­schaf­ten in der End­run­de. Um so grö­ßer sind die Hoff­nun­gen auf eine Spit­ze, die aus den Schü­ler­grup­pen her­vor­ge­hen möge. Die fech­te­ri­sche Auf­bau­ar­beit auf einer ver­brei­ter­ten Basis, das be­wuß­te Leis­tungs­trai­ning unter dem Ehe­paar Sei­fert und dem Meis­ter Pel­le­gri­ni, spä­ter E. Meyer, zeig­te seine ers­ten Früch­te auf Schü­ler- und Ju­nio­ren­tur­nie­ren. Die Dy­na­mik der

Schü­ler­fecht­grup­pe

(1975 schon 70 MitgI., 1976 be­reits 120!!) unter dem Ehe­paar Sei­fert er­for­der­te be­son­de­re Maß­nah­men. Die Er­fül­lung dar­aus re­sul­tie­ren­der wei­ter­ge­hen­der For­de­run­gen er­wies sich in­des­sen als un­mög­lich. Die Flo­rett­mann­schaft Mar­cel u. Chris­to­pher v. Malsch, Blo­n­in­gen, Sa­lisch wurde bei der Ju­nio­ren­lan­des­meis­ter­schaft 1974 Zwei­te, 1975 Vier­te. Er­fol­ge bei den Westd. Schü­ler­meis­ter­schaf­ten 1976: Su­san­ne Ro­sing wurde Erste, gut pla­ziert auch Anke Be­ni­ni, Oli­ver Sei­fert und Peter Jür­ges. Bei den Deut­schen Schü­ler­meis­ter­schaf­ten schaff­te Su­san­ne Ro­sing mit dem 5. Platz einen her­aus­ra­gen­den Er­folg.

Herr Ru­dolph, fast 8 Jahre Vor­sit­zen­der der Fech­trie­ge, dar­über­hin­aus Schrift­wart im Haupt­klub, trat 1976 zu­rück. Rai­ner Sei­fert über­nahm den Vor­stitz, doch die Pro­ble­me blie­ben.

Am 6.12.1976 trat Rai­ner Sei­fert zu­rück. Am 9. 12. er­schien in der WAZ fol­gen­de Notiz: "Einen Fecht­klub wol­len In­ter­es­sen­ten am 13. 12. 1976 grün­den, Treff­punkt Ju­gend­zen­trum". Die­ser neue Ver­ein eta­bliert sich als FCE, Fecht-Club-Essen, aus dem das Ehe­paar Sei­fert nach we­ni­gen Mo­na­ten aus­schied.

Auch Fecht­meis­ter Eric Mayer ver­ließ die Fech­trie­ge des ETUF. Die FR stand vor einer ein­schnei­den­den Si­tua­ti­on, doch er­fah­re­ne Mit­glie­der, be­reit­wil­li­ge Ju­nio­ren und viele Hel­fer be­trie­ben den Neu­auf­bau der Riege. Karl­heinz Krieb stell­te sich als Vor­sit­zen­der zur Ver­fü­gung. Mit Dr. Vic­tor Vi­gan­ty wurde ein neuer Fecht­meis­ter ver­pflich­tet. Der Haupt­klub un­ter­stütz­te die Fech­trie­ge mit Zu­schüs- sen. Das fech­te­ri­sche Leben der Riege blüh­te auf. Ellen Stän­der un­ter­rich­te­te un­er­müd­lich Mäd­chen und Jun­gen im Flo­rett­fech­ten. Fecht­meis­ter Vi­gan­ty för­der­te nicht nur das Leis­tungs­fech­ten, son­dern be­leb­te auch die Nach­wuchs­ar­beit, ins­be­son­de­re im Sä­bel­fech­ten. Hoff­nungs­vol­le An­sät­ze die­ser jun­gen Trup­pe unter Mit­ar­beit von Hans v. d. Lin­den und Karl Mat­t­hies. Stell­ver­tre­tend seien im Säbel Raoul San­der, im Flo­rett Veit Wulf ge­nannt; letz­te­rer be­son­ders ge­för­dert von sei­nem Vater und Emil Leon­hard.

Gi­se­la Trapp­mann wurde bei den LM 4. und qua­li­fi­zier­te sich für die Deut­schen Meis­ter­schaf­ten; bei den Ju­nio­ren kam sie unter die letz­ten 24. Die Flo­rett­mann­schaft mit Brink­mann, Mar­cel und Cris­to­pher v. Malsch, Wulf, er­reich­te die­T­eil­nah­me an den Lan­des­meis­ter­schaf­ten. An den Deut­schen Meis­ter­schaf­ten 1978 in Essen nahm Man­fred Wulf als ein­zi­ger Es­se­ner teil und kam im­mer­hin noch in die Zwi­schen­run­de.

Sport­leh­rer Drust be­en­de­te zum größ­ten Be­dau­ern aller seine Tä­tig­keit für die Fech­trie­ge.

Zu den Welt­meis­ter­schaf­ten in Ham­burg fand sich eine statt­li­che Ko­lo­nie der Fech­trie­ge als be­geis­ter­te Zu­schau­er ein und be­ging ein Wie­der­se­hen mit Fa­mi­lie Rabe.

Emil Leon­hard hielt beim in­ter­na­tio­na­len Kampf­rich­ter­se­mi­nar in Han­no­ver ein Re­fe­rat zu sei­ner 74er-Stu­die, Co-Re­fe­rent war kein Ge­rin­ge­rer als M. Raol Clery (Tou­lou­se).

In der Fech­trie­ge wur­den Pläne um Pläne ge­schmie­det, den Trai­nings­ab­lauf zu­frie­den­stel­len­der zu ge­stal­ten. Nach wie vor blieb je­doch der Zu­schuß an fi­nan­zi­el­len Mit­teln un­zu­rei­chend.

Fech­te­ri­sche Er­fol­ge waren nur we­ni­ge zu ver­mel­den, außer dem guten Ab­schnei­den der Se­nio­ren. Man­fred Wulf wurde 1979 wie im Vor­jahr Vi­ze­meis­ter.

Nach dem Weg­gang von Fecht­meis­ter Dr. Vi­gan­ty über­nahm Edu­ard Spierz­ak die Aus­bil­dung. Am 19. 5. 1979 ver­an­stal­tet die Fech­trie­ge zu Ehren von Emil Leon­hard aus Anlaß sei­nes 75. Ge­burts­ta­ges eine Fech­t­aka­de­mie in der Al­fred-Krupp-Halle.

Emil Leon­hard: "Mit die­ser Aka­de­mie zeigt sich, daß das Fech­ten ge­ra­de ohne Leis­tungs­druck nichts von sei­ner Fas­zi­na­ti­on in die­ser Zeit ver­lo­ren hat" .

In Essen mach­te der FCE Vor­schlä­ge zur Fu­sio­nie­rung der Es­se­ner Ver­ei­ne und ver­an­stal­te­te die Deut­schen Meis­ter­schaf­ten. Ein­zi­ger Es­sen­er­Teil­neh­mer Oli­ver Sei­fert (frü­her ETUF, dann FCE, jetzt für den OFC Bonn star­tend). Die Se­nio­ren mel­de­ten wie­der Er­fol­ge auf den Dt. Sen. Meis­ter­schaf­ten in Bad Dürck­heim: Hans v. d. Lin­den wurde im Säbel Vi­ze­meis­ter, Man­fred Wulf im Flo­rett "nur" 4.

Auf der HV im Fe­bru­ar '81 stell­te Herr Ru­dolph den An­trag "Vor­la­ge eines Kon­zep­tes zur Kon­so­li­die­rung der Fech­trie­ge", nach­dem er be­reits im Au­gust 1980 in einem drin­gen­den Ap­pell in den "ETUF Nach­rich­ten" die Pro­ble­me auf­ge­zeigt hatte. Damit be­faß­ten sich am 11. 9. 1981 die Mit­glie­der und am 9. 12. eine au­ßer­or­dent­li­che Mit­glie­der­ver­samm­lung. Es wur­den Vor­schlä­ge an den Haupt­klub zur Sa­nie­rung und Kon­so­li­die­rung der Fech­trie­ge ge­macht.

Bei den Deut­schen Se­nio­ren­meis­ter­schaf­ten 1981 wurde Man­fred Wulf im Flo­rett Deut­scher Meis­ter wie auch im dar­auf­fol­gen­den Jahr 1982.

ndes­sen ent­schlos­sen sich 1982 viele Fech­ter, die der Riege teil­wei­se län­ger als 30 Jahre an­ge­hör­ten, ihre Mit­glied­schaft im ETUF auf­zu­ge­ben, weil sie keine Mög­lich­keit sahen, daß ihre Vor­stel­lun­gen der Sa­nie­rung und damit der Kon­so­li­die­rung der Fech­trie­ge durch den Haupt­klub Er­folg hat­ten.

H.J. Loch wurde zum Vor­sit­zen­den ge­wählt.

Gi­selaT­rapp­mann, selbst lange Jahre ak­ti­ve Fech­te­rin im ETU­Fund in­zwi­schen für die neue ETUF-Mann­schaft re­ak­ti­viert, lenkt seit 1982 die Ge­schi­cke der Riege, und nicht ganz ohne Stolz ist zu be­rich­ten, daß zu­nächst unter der Lei­tung des be­währ­ten Meis­ters Spierz­ak, dann en­ga­gier­ter Fecht­trai­ner, wie Peter Koch, eine neue Fech­ter­ge­ne­ra­ti­on her­an­wächst, die mit Nach­wuchs­ta­len­ten wie Chris­ti­an Kol­mer, An­ge­li­ka und Dirk Ro­der­mund, Rü­di­ger Strell und vie­len an­de­ren schon lange wie­der von sich reden macht.

Gi­se­la Trapp­mann:

Erst mit dem Ein­zug einer er­heb­lich ver­jüng­ten Mann­schaft in den Vor­stand der Fech­trie­ge zu Be­ginn des Jah­res 1982 bekam die klei­ne Riege wie­der Auf­wind. Mit gro­ßem Eifer wurde seit­her der Wie­der­auf­bau der Riege be­trie­ben. Ein völ­lig neues Kon­zept, ins­be­son­de­re im Be­reich der Ju­gend­ar­beit und Nach­wuchs­för­de­rung und per­sön­li­ches En­ga­ge­ment, waren Weg­be­rei­ter für die seit­dem po­si­ti­ve Ent­wick­lung

Den Vor­stand der Fech­trie­ge bil­de­ten im Ju­bi­lä­ums­jahr 1984 (100 Jahre ETUF):

1. Vor­sit­zen­de Gi­se­la Trapp­mann
2. Vor­sit­zen­der Frank Stück­radt
Kas­sen­wart Dr. Nor­bert Ven­ker
Schrift­wart/Pres­se­wart Chris­ti­an Kol­mer
Ju­gend­war­tin An­ge­li­ka Ro­der­mund

Ein hoff­nungs­vol­ler Aus­blick:

Die Zahl der Mit­glie­der ist auf über 80 an­ge­wach­sen, davon al­lein zwei Drit­tel Ak­ti­ve unter 30 Jah­ren. Neuer Schwung in der jun­gen Riege kenn­zeich­net das Trai­nings­sge­sche­hen, auch sport­li­che Er­fol­ge stel­len sich ein. Die fi­nan­zi­el­le Basis ist ge­si­chert - einer Art Spät­zün­dung des frü­he­ren Ap­pells wohl zu­zu­schrei­ben.

Möge sich die Auf­wärts­ent­wick­lung der Fech­trie­ge im zwei­ten Jahr­hun­dert ihres Be­ste­hens fort­set­zen und sport­lich sich sol­che Er­fol­ge ein­stel­len, wie sie im ers­ten Jahr­hun­dert ihres Be­ste­hens zeit­wei­lig zu ver­zeich­nen waren. Viel­leicht er­reicht sie auch ein­mal die Ziele, wie sie bei Über­tritt der­Waf­fen­brü­der­schaft vor mehr als 30 Jah­ren ge­steckt wur­den: Der ei­ge­ne Fecht­saal, ein stän­dig zur Ver­fü­gung ste­hen­der Meis­ter bei fi­nan­zi­el­ler Si­cher­heit.

Möge das "F" im Namen ETUF zu neuem Glanz und zum Ruhme des Ge­samt­klubs bei­tra­gen. Ein neuer An­fang ist ge­macht!

Autor:
Karl Mat­t­hies
ver­öf­fent­licht: 1987